FANDOM


NIKA
Die Gesichte ist für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet.

Meine Name ist Nika Carter und ich bin der Sohn von Victoh und Denia Carter. Ich komme aus dem Kapitol und bin mit meiner Eltern nach Distrikt 4 gezogen. Das ist meine Geschichte.

Kapitel 1 ~Graue Wolken~Bearbeiten

Ich sah hinauf in den Himmel. Es war ein sehr schöner Tag und keine Wolke war am Himmel zu sehen. Solche Tage gab es oft bei uns in Distrikt 4 und ich war froh, dass ich und meine Eltern in der Nähe des Meeres wohnten. So konnte ich immer bei diesem angenehmen Wetter zum Strand gehen und für mich sein. Hier am Strand war immer viel los, da es sehr entspannend war im Meer zu schwimmen oder am Wasser entlang zu gehen. Ich machte beides eher selten, da ich lieber im Sand saß und in den Himmel sah. Und damit ich auch wirklich meine Ruhe hatte, suchte ich mir einen Platz den nur ich kannte. Er war etwas abseits und von Felsen und Steinen umringt. Als wir hier ans Meer gezogen sind hatte ich diesen Platz bei einer Erkundungstour gefunden und war seitdem fast jeden Tag hier. Hier war es ruhig und ich hörte nur das Rauschen des Meeres und die Vögel die am Himmel flogen. Hier konnte ich meinen Gedanken wirklich freien Lauf lassen und keiner störte mich dabei.
Ich setzte mich auf und sah auf das weite Meer hinaus. Nirgends. Nirgends war eine Wolke zu sehen und das Wasser war so schön klar, dass man den Boden sehen konnte wenn es nicht zu tief war. Ich liebte die Natur. Ich streckte mich ausgiebig und ein Lächeln umspielte meine Lippen.
Ich genoss die Ruhe, das schöne Wetter und als ich auf die Uhr sah sprang ich hoch. Es gab bald Abendbrot und ich durfte nicht zu spät kommen, da ich sonst nichts mehr bekam. Mein Vater meinte immer: "Wer zu spät kommt, der hat Pech gehabt." Naja. Es war ja auch zum einen Teil meine Schuld, da ich nicht gerade immer rechtzeitig zum Essen da bin. Und so lief ich los nach Hause und ahnte nicht was mich dort erwarten würde.

Ich schlug die Tür auf und rief hinein: "Ich bin da! Ich bin da!" Ich musste erst mal Luft holen und runterkommen. Ich war so aufgepusht vom Laufen. Nachdem alles wieder gut war bemerkte ich erst, dass ich keine Antwort bekommen hatte. Ich fragte mich sofort was los war und meine Hand streifte durch meine schokobraunen, mittelkurzen Haare. Ich trat langsam ein und schloss leise die Tür hinter mir. Danach schloss ich meine Augen damit ich besser hören konnte und achtete auf jedes kleine Geräusch. Aber das Einzige was ich hörte war unser Fernseher, der angeschaltet war. "Hallo?" rief ich nochmal, aber auch diesmal bekam ich keine Antwort. Ich ging durch den Eingangsflur und sah mich um. Ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit. Ich war das erste Mal alleine in diesem Haus. Ich war zwar schon sechzehn Jahre alt, hatte aber trotzdem ein wenig Angst. Ich ging ins Wohnzimmer und sah mich dort nach irgendeinem Hinweis auf den Verbleib meiner Eltern um. Aber auch hier sah ich nur die hellen, blauen Wände und die Möbel, die wie immer da standen. Mein Blick fiel dann auf den Fernseher der angeschaltet war. Das meine Eltern nicht anwesend waren und der Fernseher immer noch lief war merkwürdig und mein ungutes Gefühl verstärkte sich. Sie achteten immer penibel darauf, dass alle Geräte ausgeschaltet waren, wenn keiner im Haus war. Ich ging zum Glastisch und nahm mir die Fernbedienung. Ich sah nochmal kurz auf den Bildschirm um zu gucken was lief. Es war nur ein Interview mit unserer Präsidentin. Wie hieß sie gleich nochmal? Mary Crown? Das war mir aber gerade völlig egal und ich schaltete den Fernseher aus.
Ich ging die Treppe langsam hoch in den ersten Stock. Da ich unten keinen Hinweis gefunden hatte, stieg langsam Panik in mir auf. Ich fragte mich die ganze Zeit wo meine Eltern waren. Aber auch oben in den Zimmern fand ich kein Hinweis. Die Mühe auf den Dachboden nachzugucken machte ich mir nicht, da ich glaubte, dass dort nichts war. Und so ging ich auf die Tür zu auf den mein Name stand. Nika Carter. Ich mochte den Namen Nika nicht so gerne, aber außer meine Eltern nannten mich alle nur Carter. Carter hörte sich schon besser an.
Ich öffnete die Tür und ging langsam hinein. Es war schlicht gestalten. Ich mochte es einfach nicht wenn es so bunt und quitschig war. Auch wenn ich aus dem Kapitol kam, das konnte ich gar nicht ab. Meine Eltern gewöhnten sich das auch langsam ab und trugen nicht mehr so viele quitschige Farben. In meinem Zimmer stand ein großes Bett mit der weichsten Matratze der Welt und ich schlief super auf ihr. Außerdem stand noch eine Kommode, ein Schreibtisch und ein Kleiderschrank mit einem Spiegel in dem Zimmer. Alles aus dunklem Holz, dessen Name ich nicht wusste.
Ich sah mich um, aber auch hier war nichts zu finden. Ich schloss die Tür leise hinter mir und lehnte mich an sie. Ich machte mir Sorgen und das ungute Gefühl ging auch nicht mehr weg. "Was ist passiert? Wo sind meine Eltern?" flüsterte ich mir die Fragen zu ohne sie selber beantworten zu können. Ich sah zu Boden und blieb eine gefühlte Stunde so stehen ohne mich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Doch dann sah ich auf und stellte mich vor meinen Spiegel. Meine schokobraunen Haare waren etwas zerzaust, aber ansonsten sah ich so aus wie immer. Ich war etwas zu klein für mein Alter, aber dafür war ich kräftig und hatte leichte Muskeln.
Ich starrte noch ein bisschen in den Spiegel und war in meinen Gedanken versunken. Paar Minuten später kam ich dann wieder in der realen Welt an, setzte mich auf mein Bett und seufzte. "Wo seid ihr?" fragte ich mich wieder selbst und sah aus dem Fenster.

Kapitel 2 ~Alles zerbricht~Bearbeiten

Ich saß immer noch auf meinem Bett obwohl es schon dunkel geworden war. Unfähig mich zu bewegen, fragte ich mich weiterhin: „Wo seid ihr?“ Die Panik wich so langsam, dafür wurde das ungute Gefühl stärker. Ich wollte endlich aufstehen, aber es ging nicht. Meine Beine ließen sich einfach nicht bewegen. Ich war müde und kaputt und war jetzt noch dazu nicht in der Lage mich zu bewegen. Ich war noch nie alleine zu Hause, ohne dass ich wusste wo sie waren. Und dann war ich auch nur am Strand und kam immer erst heim als sie schon zu Hause waren. Und so sah ich einfach weiter aus dem Fenster in den sternenklaren Himmel und wusste nicht was ich tun sollte.

Ich öffnete meine Augen und sah an die Decke. Die Sonne füllte mein Zimmer mit Licht und ich setzte mich auf. „Ich muss wohl eingeschlafen sein.“ Ich streckte mich, rieb meine Augen und strich durch meine Haare. Erst einmal duschen. Das konnte ich jetzt gut gebrauchen. Ich stand auf und ging auf den direkten Weg ins Badezimmer. Ich würde nachgucken ob meine Eltern vielleicht wieder da waren. Ich machte das Wasser an und stellte mich unter den heißen Strahl, der meine verspannten Muskeln und mich entspannte. Gestern Abend war es nur die Panik die mich steif werden lies und ich mich deswegen auch nicht bewegen konnte. Meine Gedanken lösten sich und ich konnte langsam wieder klar denken. Und so stand ich mindestens eine halbe Stunde bis Stunde unter der Dusche ohne mich zu bewegen.

Ich ging wieder zurück in mein Zimmer, nachdem ich mich abgetrocknet habe und mir das Handtuch um meine Hüfte gebunden habe. Zwar war ich alleine, aber ich tat es aus Gewohnheit. Als ich in meinem Zimmer ankam, ging ich sofort auf den Kleiderschrank zu und holte mir was zum Anziehen heraus. Eine schlichte blaue Boxershorts und eine dunkelblaue Jeans mit einem weißen, kurzärmeligen Hemd. Als ich das Hemd zuknöpfte betrachtete ich mich im Spiegel. Und dort verharrte ich auch wieder. Wieder dachte ich an meine Eltern. Ich schüttelte den Kopf. Vielleicht waren sie ja wieder da. Ich musste nur nachsehen gehen.

Ich ging hinunter ins Wohnzimmer um nachzugucken ob sie nicht doch wieder aufgetaucht sind. Fehlanzeige. Es sah genauso aus wie gestern Abend. Ich setzte mich seufzend auf das Sofa und starrte auf den Fernseher. Warum passierte das? Sollte ich nicht lieber rausgehen und nach ihnen suchen oder die Nachbarn fragen? Ach, mir würde doch so oder so keiner glauben, da uns jeder hasste. Da wir aus dem Kapitol kamen guckten uns die Leute hier komisch an. Besonders die Älteren mochten uns nicht, da das Kapitol die Hungerspiele damals veranstaltet hatte. Ich verstand nicht warum sie uns noch dafür hassten. Die letzten Hungerspiele waren älter als meine Eltern. Aber auch die Jüngeren mieden mich. Deshalb hatte ich auch kaum Freunde. Außer ein Mädchen. Meine beste Freundin. Ihr Name war Aria Mitchell und wir kannten uns schon um die acht Jahre. Ich wohnte damals gerade mal zwei Wochen hier und war auf Erkundungstour. Die Stelle an dem wir uns kennen lernten war nur ein Sprung von meinem Versteck entfernt. Ich hatte eine Pause gemacht und lag im Sand. Meine Augen waren verschlossen und ich genoss das Rauschen des Meeres und die Sonne auf meiner Haut. „Du bist ja einer.“ sagte wer und kicherte. Ich öffnete die Augen und ein Mädchen sah mich an. Sie hatte aschblondes Haar und ein weißes Kleid an. Sie war in meinem Alter und hatte ein sehr schönes Gesicht. Das hatte sie auch heute noch. Ich setzte mich auf und Aria nahm neben mir Platz. „Aria Mitchell.“, stellte sie sich vor. „Und du musst der Junge aus dem Kapitol sein.“ Sie lächelte mich an und ich musste das Lächeln einfach erwidern. „Nika“ antwortete ich ihr leise, aber noch so laut das sie es auch hörte. Wir kamen dann gut ins Gespräch. Das ist nun schon acht Jahre her. Wir beide waren jetzt sechzehn. Sie war die Einzige der ich alles anvertrauen konnte. Ich erzählte ihr wirklich alles.

Ich hörte es dann klingeln und schrak leicht auf. Ich sah nach links und nach rechts um zu gucken woher das Klingeln kam. Dann wurde mir nach ein paar Sekunden klar, dass es das Telefon war und ich sprang vom Sofa auf und ging zur Kommode, auf der das Telefon stand. Ich hoffte sehr, dass es meine Eltern waren. Ich nahm den Hörer ab und sagte mit freundlicher Stimme: „Nika Carter am Apparat.“ „N..N..Nika...“ stotterte eine weinerliche Stimme und ich wusste sofort wer am anderen Ende war. Es war Aria. Ich war zwar leicht enttäuscht, dass es nicht meine Eltern waren, aber jetzt musste ich für meine beste Freundin da sein. „Mach den Fernseher an.“ Man hörte hinaus, dass sie sich anstrengte nicht noch stärker zu weinen. Es musste wirklich was Schlimmes passiert sein. „Was ist los?“ fragte ich, bekam jedoch keine Antwort. Deshalb ging ich zum Glastisch und nahm mir die Fernbedienung und schaltete den Fernseher an. Er war immer noch auf Stumm geschaltet und ich sah eine große Frau. Sie trug ein langes, schwarzes Kleid und ihr schulterlanges, schwarzes Haare wurde zu einer Hochsteckfrisur gebunden. Mary Crown war ihr Name und sie war eine Nachfahrin von dem damaligen Präsidenten Snow.

Ihr Blick war ernst und ich schaltete den Stummmodus aus. Was ich hörte ließ mir das Blut in den Adern gefrieren und ich wurde blass. Aria weinte noch immer, sie hatte wohl auch den Anfang der Rede mit angehört.

„Es werden aus jedem Distrikt zwei Familien mit mindestens einem Kind zwischen dem 12. Und 18. Lebensjahr per Zufallsprinzip ausgewählt. Ein Mädchen und ein Junge. Dort werden die Eltern der Kinder verhaftet und ins Kapitol gebracht. Die 24 Kinder, auch Tribute genannt werden dann in die Arena geschickt und müssen dort ums überleben kämpfen. Wenn ein Tribut stirbt, bedeutet dies gleichzeitig das Todesurteil für die Eltern.“

Arias weinen wurde doller und da wurde mir klar welche Eltern noch verhaftet wurden. Es waren Arias Eltern. Aria und ich. Wir beide waren die Tribute aus Distrikt 4.

„Die neue Ära der Hungerspiele beginnt heute an und ihr wisst alle was das zu bedeuten hat: Fröhliche Hungerspiele und möge das Glück stets mit euch sein.“

Kapitel 3 ~Schreckliche Gewissheit~Bearbeiten

Ich ließ mich auf das Sofa fallen und vergrub meine Hände im Gesicht. Meine Tränen liefen über die Wange und ich konnte und wollte sie nicht stoppen. Aria und ich. Wir beide waren die Tribute. Warum machte sie die Hungerspiele? Ich konnte nicht mehr klar denken und sprang auf. Ich rieß die Haustür auf und rannte hinaus. Ich wollte einfach weg von allem, weg von dem was passierte. Es gab nur noch einen Ort zu dem ich wollte. Mein Platz. Nein, Aria und mein Platz. Den Platz wo ich meine Gedanken sortieren und am besten Nachdenken konnte.

Die Regentropfen prasselten unerbittlich auf mich ein, doch mir war es egal. Ich lief und meine Tränen ließ ich weiterhin gewähren zu fließen. Ich war froh, dass es gerade jetzt regnete und dadurch keiner meine Tränen sehen konnte und keiner sich fragte warum ich weinte. Ich hoffte, dass nur wenige diese Rede gesehen hatten. Zum Glück war es nicht mehr so, dass der Fernseher von alleine anging wenn was wichtiges anstand. Aber jeder würde es am nächsten Tag erfahren, da man die Zeitung lesen musste. In der Zeitung standen alle wichtigen News und Reden die einen Tag zuvor im Fernseher liefen. Also spätestens morgen früh würde es dann jeder wissen in Distrikt 4. In allen Distrikten.

Ich erreichte den Strand und war völlig durchnässt. Meine Jeans klebte regelrecht an meinen Beinen und mein weißes, kurzärmeliges Hemd war völlig durchnässt. Kalt wurde mir in keinster Weise. Ich wollte nur noch fliehen, nur weg von hier. Ich fühlte meine Beine kaum, aber das alles war mir egal und ich lief weiter. Ich lief, fiel hin, stand wieder auf und lief weiter. Ich wollte zu diesem Platz und nichts würde mich daran hindern.

Als ich am Versteck angekommen war, sah ich Aria. Sie saß dort im strömenden Regen und bewegte sich nicht. Ihr Blick war aufs stürmische Meer gerichtet. Ich ging langsam auf sie zu und unterdrückte meine Tränen. Ich musste stark für sie sein. Stark für uns beide. „Aria.“ Meine Stimme klang sanft, aber sie zeigte keine Reaktion sondern starrte einfach weiter in die Ferne. Aufs Meer. „Aria!“ sagte ich nun etwas lauter, doch auch jetzt schenkte sie mir keine Beachtung. Als ich dann neben ihr stand, ließ ich mich auf die Knie fallen und zog sie zu mir in meine Arme. Sie vergrub ihr Gesicht sofort in mein nasses Hemd und fing an zu schluchzen. Ich strich durch ihr langes Haar und sah aufs Meer. Aber gerade jetzt wo ich der Starke für sie sein musste, liefen meine Tränen wieder über meine Wange. Ich drückte Aria fester an mich. Ich wollte ihr wenigstens ein bisschen Halt geben. Und so verging Stunde um Stunde und wir blieben regungslos sitzen. Es tat uns beiden mal gut alles raus zu lassen.

Der Sturm verging langsam und wir beide saßen einfach nur da. Ich hatte mein linken Arm um sie geschlungen und sie hatte sich an mich gelehnt. Wir beide schwiegen und guckten einfach aufs Meer hinaus. Wir genossen die Ruhe. Und so vergingen wieder zwei bis drei Stunden und es wurde langsam Abend. In der Dämmerung wehte ein leichter Wind und ich sah zu Aria. Sie war in Gedanken versunken, dass sah ich an ihren Blick. An was sie wohl gerade dachte? Ich erinnerte mich an die Rede von Crown und dann kam mir in den Sinn, dass ich nur das Ende mit angesehen hatte. Ich schüttelte Varia leicht, um sie wieder in die Gegenwart zu holen. Als sie mich verwirrt ansah, lächelte ich sanft. „Ich habe nur das Ende der Rede mitbekommen, was kam denn davor noch?“ Ich sah in ihrem Blick das sie wieder mit ihren Tränen zu kämpfen hatte, aber trotzdem sagte sie zu mir, nachdem sie einmal tief durchgeatmet hatte, mit fester Stimme: „Sie möchte die Hungerspiele wieder beleben lassen. Nachdem ihr Mann sie nicht weitergeführt hatte, möchte sie es machen, da sie die Hungerspiele für nötig hielte.“

„Ihr Mann?“ Ich sah sie fragend an und verstand nicht. Das zauberte ihr ein Lächeln ins Gesicht. „Sie war die Frau von Präsident Aster, der Ende letzter Woche verstorben ist. Du solltest mal im Unterricht aufpassen und auch mal die Zeitung lesen.“ Ich lachte kurz. Es passte zwar nicht zur Situation, aber es tat gut. Ich passte wirklich nicht sehr viel im Unterricht auf und die Zeitung... Nachdem ich zu Ende gelacht hatte, fragte ich sie, wie Präsident Aster gestorben sei. „Das weiß keiner so genau.“ antwortete sie mir und sah aufs Meer hinaus. Präsidentin Crown war gerade mal vier Tage in ihrem Amt und rief schon die Hungerspiele wieder hervor. Es gab wieder jede Menge Fragen und ich wusste nicht was ich davon halten sollte. Wir lebten doch alle friedlich und es gab keinen Ärger. Weshalb wollte sie die Hungerspiele wieder aufleben lassen? Sie musste doch die Geschichte kennen wie es vor hundert endete und wie es auch vor siebzig Jahren endete. Ich sah auch wieder aufs Meer hinaus und drückte Aria etwas doller an mich. „Achja. Am Sonntag wird in jedem Distrikt öffentlich bekannt gegeben, wer die Tribute sind.“ Ich seufzte einmal leise und das ungute Gefühl wich mir nicht von der Seite. Es wird noch irgendwas Schlimmes passieren und ich hatte keine Ahnung was es sein könnte. Ich wünschte mir die Zeit würde stehen bleiben und dass ich für immer mit Aria hier bleiben konnte. Aber das war nur ein Wunschgedanke und ich musste mit der schrecklichen Gewissheit leben, dass Arias und mein Weg bald ein Ende finden würde. Am Sonntag würden die Tribute bekannt gegeben und dann würde man uns ins Kapitol bringen.

Wir hatten ein bisschen über die Hungerspiele in der Schule gelernt. Es war ein interessantes Thema, dass meine Aufmerksamkeit erregte.. Ich versuchte mir nochmal in Erinnerung zu rufen was wir gelernt hatten, doch es gelang mir nicht. Das einzige was ich noch wusste war, dass es zwei Tribute gab, die die Rebellion vor hundert Jahren ins Rollen gebracht hatten, indem sie beide die 74. Hungerspiele gewannen. Sie hießen Katniss Everdeen und Peeta Mellark. Vor siebzig Jahren mussten dann ihre beiden Kinder in die Arena gehen. Primrue und Haymitch; Wobei aber Haymitch gestorben war und Primrue gewonnen hatte. Vor siebzig Jahren waren dies auch die letzten Hungerspiele und jeder dachte, das damit der Schrecken endlich vorbei war.

Kapitel 4 ~Die Ruhe vor dem Sturm~Bearbeiten

Als ich am nächsten Tag aufwachte, lag Aria an mir gekuschelt im Sand. Ich setzte mich auf und fasste mir an den Kopf. Ich hatte Kopfschmerzen. Erst dann bemerkte ich, dass wir noch am Strand waren. Das Meer war ruhig und es schien die Sonne. Jegliche Anzeichen von einem Sturm waren fort. Am Himmel standen keine Wolken und es war wieder schönstes Distrikt 4 Wetter. Das munterte mich etwas auf, doch dann wurde mir kalt, da ein kurzer Windstoß vorbeizog. Erst jetzt bemerkte ich, dass meine Klamotten noch durchnässt waren. Ich sah auf die Uhr und es war gerade mal zehn Uhr. Danach drehte ich mich um und sah Aria, die immer noch ruhig schlief. Zum Glück ist sie nicht aufgewacht, als ich mich aufsetzte. Sie sah so friedlich aus. Aber auch ihre Kleidung war durchnässt.

Ich lächelte, stand langsam auf und streckte mich ausgiebig. Danach hob ich Aria vorsichtig hoch, da ich sie erst einmal zu mir bringen wollte. Sie war ein schlankes Mädchen doch das täuschte. Sie war ganz schön kräftig und ich hatte das schon paar Mal abbekommen.

Sie schmiegte sich an mich und ich dachte sie würde aufwachen. Sie schlief jedoch noch tief und fest weiter. Ich musste lächeln. Wenn ich doch auch mal so gut schlafen könnte. Mit meiner leicht gestiegenen Laune ging ich vorsichtig aus unserem Versteck.

Ich sah auf den weiten Strand. Keine Menschenseele. Umso besser, dann müssen wir uns bei niemanden rechtfertigen. Ich sah auf die Uhr, „10 Uhr“, dachte ich. Wir sollten eigentlich in der Schule sein, aber wer würde in unserer Situation kein Verständnis haben? Sie reimten sich dafür bestimmt dort irgendwas zusammen, warum Aria und ich nicht in der Schule waren. Und so ging ich mit gemischten Gefühlen nach Hause. Ich wollte nicht das Aria alleine war, oder ich.

Als ich dann vor dem Haus stand, hörte ich hinter mir ein Lachen. Ein Lachen? Nein es waren zwei, drei, vier…es war eine Gruppe von Jugendlichen die lachten. Wut stieg langsam in mir auf und ich versuchte ruhig zu bleiben. Am liebsten würde ich mich umdrehen und ihnen ins Gesicht fragen, was sie den für ein Problem hätten, aber ich wollte Aria nicht wecken. Und so ging ich langsam zur Haustür ohne das ich mich umdrehte. Die Haustür war noch offen und als ich das Haus betrat, traf mich der Schock. Alles war verwüstet. Ich ging durch das ganze Erdgeschoss und alles wurde verwüstet. Da konnte ich die Wut nicht mehr zurückhalten und ging ins Wohnzimmer um Aria aufs Sofa zu legen. Ich konnte mir denken wer hier drinnen und rannte raus. Ich sah mich wütend um, aber sah niemanden. Die Gruppe von Jugendlichen und Kindern war nicht mehr hier. Ich wusste einfach, dass sie es waren. „Kommt her!“ schrie ich. Ich schrie aus ganzer Kehle und ließ mich auf die Knie fallen. Ich schrie nochmal, ich wollte einfach eine Antwort doch ich bekam keine. Ich schlug mit der rechten Hand, die ich zu einer Faust geballt hatte, auf den harten Steinboden. Ich ignorierte den Schmerz in meiner Hand.

Ich war voller Wut und Schmerz. Warum machten sie das? Ich schrie weiter, immer weiter auch wenn mein Hals schon wehtat. Ich wollte die Wut aus mir heraus lassen. Ich hörte erst auf, als ich eine Hand auf meiner Schulter spürte. Es war Aria. Ich sah sie nicht an, da ich wieder kurz davor stand zu weinen. Mein Herz schlug schneller und ich atmete viel zu schnell. Das alles beruhigte sich jedoch, als Aria sich hinhockte und mich von der Seite umarmte. Ich ließ es zu. Mein Atem wurde langsamer und mein Herz schlug auch nicht mehr so schnell. „Warum?“ fragte ich sie, bekam jedoch keine Antwort. Sie schwieg und strich über mein Rücken.

Als ich mich beruhigt hatte, stand ich auf und sah in den Himmel. Aria war ein Schritt zurück gegangen und ich spürte wie sie mich ansah. Ich spürte die Sorge um mich. Doch mir überkam ein Gefühl der Stärke. Warum lasse ich mir das gefallen? „Wir können es doch schaffen?“ Ich drehte mich um und sah ihr in Gesicht. Sie wusste nicht was ich meine. Ich grinste und ging zu ihr. Ich nahm ihre Hand und sah jetzt erst das Blut. Ich spürte auch den Schmerz, wollte es mir aber nicht anmerken lassen. „Wir schaffen es. Wir gewinnen sie. Für unsere Eltern““ Jetzt verstand sie und dachte nach. Sie löste sich von meinem Griff und ging rein. Ich sah ihr zu, wie sie nach drinnen verschwand und folgte ihr. Sie war ins Wohnzimmer gegangen und ich ging ihr nach. Sie fing an aufzuräumen und ich stand nur in der Tür. Sie sah nach kurzer Zeit auf meine Hand und dann mir ins Gesicht. „Du solltest besser deine Hand unter kaltes Wasser halten.“
Ich befolgte ihren Rat und ging in die Küche. Hier wurde nichts verwüstet. Sie waren bestimmt nur im Flur und im Wohnzimmer. Ich hoffte es.
Das kalte Wasser, das über meine Hand floss war angenehm. Nachdem ich sie dann abgetrocknet hatte, ging ich zurück ins Wohnzimmer. Es sah ein bisschen besser aus. Ich sah Aria besorgt an. Ihre Klamotten, genauso wie meine, waren immer noch nass. „Du solltest erst mal duschen gehen und frische Sachen anziehen.“ Sie sah mich kurz an und nickte. Ich sah ein leichtes Lächeln in ihrem Gesicht. Sie ging an mir vorbei und dann hoch ins Badezimmer. Ich sah ihr nach und lächelte, bevor ich ihr nach oben folgte.

Oben war alles in Ordnung. Ich ging in mein Zimmer und zog mich um. Ein schlichtes blaues Shirt und eine dunkle Jeans. Ich legte auch für Aria was raus. Zum Glück hatte sie paar ihrer Anziehsachen bei mir, außer Unterwäsche. Da musste sie einer Boxershorts von mir nehmen. Ich ging zum Badezimmer und klopfte. „Frische Sachen liegen in meinem Zimmer.“ „Okay.“ antwortete sie mir und ich machte mich auf den Weg nach unten in die Küche um Frühstück zu machen. Ich machte mir keine Sorgen mehr wo meine Eltern waren, sondern wie wir gewinnen konnten.
Kurze Zeit später kam Aria dann herunter. Sie hatte nicht angezogen was ich ihr raus gelegen hatte, eine weiße Bluse und eine helle Jeans, sonder eine dunkle Jeans von mir und ein grünes Shirt. Ich hackte nicht nach.

Den Rest des Tagen verbrachten wir damit die Zimmer im Erdgeschoss aufzuräumen und uns Gedanken über die Spiele zu machen. Wir schauten in den Büchern nach und konnten paar nützliche Infos herausfinden. Zum Beispiel das es Wälder in den Arenen gab oder auch mal Strände. Ich hoffte insgeheim das wir in eine Arena kommen wo ein Strand und Wasser war. Da wir beide in Distrikt vier wohnten, konnten wir prima schwimmen. Aber wir hatten keine anderen Fähigkeiten. Zumindest ich nicht. Aria war gut im Nahkampf. Ich hingegen konnte nichts.
Die Beiden darauf folgenden Tage vergingen schnell und wir machten uns weiterhin schlau über die Hungerspiele und Aria versuchte mir ein bisschen was beizubringen, was mit Nahkampf zu tun hatte.

Und dann war auch schon bald der Tag da, an dem bekannt gegeben wird, wer die Tribute sind. Ich sah aus dem Fenster in den dunklen Zimmer und Aria lag in meinem Bett. Wir beide wollten nicht in einzelnen Zimmern schlafen, da wir sonst nicht einschliefen. „Komm ins Bett.“ sagte Aria mit sanfter Stimmt und ich drehte mich um. „Morgen wird ein harter Tag und es wäre gut wenn wir ausgeschlafen sind.“
Ich ging zu ihr unter die Decke und sah sie an. Sie lächelte und schloss dann die Augen. Ich tat ihr gleich und schon war ich im Land der Träume. Im Land der Alpträume.

Kapitel 5 ~Der Anfang vom Ende~Bearbeiten

Ich sah mich um doch alles war schwarz. Ich sah nicht einmal meine Hand. Ich hörte schreie die mir einen kalten Schauer über den Rücken gossen. Es waren Hilferufe von meinen Eltern. „Helf uns. Nika.“ Ich irrte durch die Dunkelheit bis ich eine ruhige Stimme vernahm. „Wach auf Nika.“ sagte sie zu mir und ich riss die Augen auf. Ich war voller Schweiß und meine Schlafklamotten waren dadurch völlig nass. „Du hattest einen Alptraum“ Ich sah zu Aria die mich aufmunternd anlächelte und ich setzte mich auch. Heute war der Tag der Bekanntgaben, wer die Tribute waren. Vor genau vier Tagen verkündete Mary Crown, dass die Hungerspiele stattfanden. Am nächsten Tag wusste es dann jeder in ganz Panem. Die meisten waren geschockt, andere nahmen es einfach hin. Andere wiederrum wollten wieder einen Aufstand anzetteln und wurden hingerichtet. Es war echt viel passiert. Heute musste jeder aus den Distrikten auf den großen Platz gehen. Mary Crown war wenigstens noch so nett und hatte verboten, dass die Eltern nicht mitkommen durften. So sah man wenigstens nicht sofort wer die Tribute waren. Ich seufzte und schlug die Decke von mir runter. Aria sah mich besorgt an, aber ich achtete nicht darauf. Ich wollte ins Badezimmer und duschen, was ich dann auch tat. Der heiße Strahlließ mich wieder entspannen und alle Muskeln lösten sich. Es war zwar nicht so angenehm wie vor drei Tagen, aber es war gut.

Nachdem ich geduscht hatte, ging ich zurück ins Zimmer und zog mich an. Aria war schon runtergegangen und bereitete das Frühstück vor. Die letzte Mahlzeit in diesem Haus. Die letzte Mahlzeit in diesem Distrikt. Ich würde am liebsten wieder zu dem Platz gehen, wo ich für mich sein konnte. WO ich die Ruhe genießen konnte ohne, dass mich jemand störte. Ich betrachtete mich kurz im Spiegel und man sah, dass ich die letzten Nächte wenig geschlafen hatte. Ich hatte leichte Augenringe und sah total verschlafen aus. Aber was sollte ich machen? Wenn ich nicht zur Tributbekanntgabe ging, würden mich die Kapitolsoldaten ausfindig machen und brachten mich dann mit Gewalt dorthin. Früher nannte man die Kapitolsoldaten Friedenswächter, aber Präsident Aster hatte damals ihnen einen anderen Namen gegeben, da man sie nur noch im Kapitol ausbildete. Distrikt 2 musste sich dann nur noch auf seine Spezialisierung konzentrieren. Es war einfacher für sie. Sonst war eigentlich alles beim Alten geblieben. Distrikt 1 fertigte die Luxusgüter an, Distrikt 3 machte die Technologie, wir hier in Distrikt 4 waren für die Fischerei verantwortlich. Dann gab es noch die Distrikte 5 bis 11 die für Strom, Transport, Holz, Textilien, Getreide, Vieh und Landwirtschaft da waren. Und zum Schluss gab es auch noch Distrikt 12 aus dem die berühmte Familie kam. Distrikt 13 gab es gar nicht mehr. Diesem Distrikt hat man der Natur gelassen und es erblühte in Grün und bestand aus einer grünen Wiese. In den Distrikten hatte sich in den letzten Jahren wirklich nicht viel verändert, außer dass die Distrikte um das Kapitol ein bisschen geschrumpft sind, da die Stadt größer geworden war. Sie mussten sogar den Berg, der das Kapitol vor Angriffen schützte ein bisschen abbauen. Im Kapitol gab es wirklich alles was man sich wünschen konnte.

Ich ging hinunter zum Frühstück und Aria wartete schon auf mich. Sie lächelte mich an und ich erwiderte es. „Guten Morgen.“ sagte sie leicht ironisch, da es nicht wirklich ein guter Morgen war. Ich setzte mich zu ihr und schnitt mir eine Scheibe Brot mit Seetang vom Laib. Ich machte nichts drauf und biss immer nur kleine Stücke ab. Das Schweigen machte mich nervös. „Glaubst du es wird genauso ablaufen wie damals?“ Aria schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht. Erstens wurden die Eltern der jeweiligen Tribute verhaftet um uns noch mehr unter Druck zu setzen. Ich habe jedoch das Gefühl, dass die ganze Spiele verändert wurden.“ Ich sah sie fragend an und wusste nicht so ganz was sie meinte. Ich wollte unsere letzten Stunden hier im Distrikt nicht damit verschwenden, dass wir uns über die Hungerspiele unterhielten.
Als ich die Scheibe Brot aufgegessen hatte, sah ich kurz aus dem Fenster. Die Sonne schien und es war tolles Wetter. Das brachte mich auf eine Idee. Ich sah wieder zu Aria und grinste. „Bis zur Bekanntgabe dauert es noch. Sie findet ja erst am Nachmittag statt. Wollen wir nicht bis dahin noch zu unserem Platz gehen?“ Sie nickte und ich stand sofort auf. „Dann lass uns keine Zeit verlieren.“
Aria wollte noch schnell aufräumen, aber ich nahm ihre Hand und zog sie einfach aus der Küche. „Das können wir auch machen, wenn wir wieder hier sind.“ Ich wollte für sie der Starke sein und keine Schwäche zeigen. Nachdem wir unsere Schuhe angezogen hatten, liefen wir gemeinsam zum Strand, zu unserem Platz.

Dort saßen wir beide nun und schauten auf das Meer. Sie hatte sich wieder an mich gelehnt und ich genoss einfach diesen Moment. Wieder kam der Wunsch in mir auf, dass die Zeit stehen blieb und ich mit Aria an diesen schönen Ort bleiben konnte. Doch dies war leider nur ein Wunschdenken. Aber es war ein schöner Gedanke mit ihr hier zu bleiben. Ich war total in Gedanken und bemerkte gar nicht, dass Aria mit mir sprach. Ich schüttelte meinen Kopf und sah sie dann an. „Was hast du gesagt?“ Darauf lachte Aria los und ich sah sie fragend an, musste dann aber auch lachen. Ach war es gerade schön. Als wir dann aufgehört hatten zu lachen, sah sie mich mit einem leichten lächeln an. „Wenn wir in der Arena sind, beschützen wir uns dann gegenseitig?“ fragte sie mich und ich nickte. „Natürlich. Das war doch selbstverständlich.“ Ich lächelte sie an und sie lehnte sich wieder an mich. Und so saßen wir beide den ganzen Vormittag im Sand, redeten über allen Quatsch und die Sorgen die uns umgaben, verschwanden für diese paar Stunden. Am frühen Nachmittag stand ich dann auf und sah zu Aria. „Wir müssen los.“ seufzte ich und hielt ihr die Hand hin. Sie hielt sich an ihr fest und zog sich hoch. „Okay.“

Als ich vor meinem Haus stand sah ich in den Himmel. Aria war nochmal nach Hause gegangen um was zu holen und ich wollte noch einmal duschen gehen, bevor es dann zum Platz ging. Ich ging ins Haus und sah mich um. Ich wünschte meine Eltern wären hier und würden mich in ihre Arme nehmen. Jetzt wo ich wieder alleine war, machte sich das schlechte Gefühl wieder in mir breit. Deshalb ging ich schnell hoch ins Badezimmer und war meine Sachen in die Ecke. Ich machte das Wasser an und stellte mich drunter. Wie auch die Tage davor, entspannte es mich und das schlechte Gefühl ging einfach Weg. Da ich aber gleich los musste, stieg ich aus der Dusche und ging in mein Zimmer. Dort zog ich mir eine graue Boxershorts an, ein blaues, kariertes Hemd und dunkle Jeans. Ich betrachtete mich noch im Spiegel und richtete meine Haare und ging dann erst einmal zum Treffpunkt, den Aria und ich ausgemacht hatten.

Als ich am Treffpunkt ankam, stand sie schon dort und wartete auf mich. „Hey!“ rief ich vom Weiten und sie sah zu mir. Sie wank mir zu und ich sah, dass sie was in der Hand hielt, konnte es jedoch nicht erkennen. Als ich dann bei ihr war sah sie mich besorgt an. „Ich glaube wir sind die letzten.“ sagte sie mir und ich nickte. „Dann lass uns losgehen.“ gab ich als Idee und ging langsam los, doch sie hielt mich fest. „Warte. Ich muss dir noch was geben.“ Ich drehte mich zu ihr und sah sie fragend an. „Schließe deine Augen.“ bat sie mich und ich gehorchte ihr. An meinem Hals spürte ich was Kaltes und ich konnte nur raten was es war. „Du kannst deine Augen wieder öffnen.“
Ich tat es sofort und sah sie an. Sie lächelte und zeigte auf meine Brust. Ich tastete dort und spürte dann was Kaltes an meinen Händen und das ein Muster rein graviert worden war. Ich sah es mir genauer an. Es war ein Vogel drauf mit einem Pfeil im Schnabel. Ich sah Aria „Damals durfte man ein persönlichen Gegenstand mit in die Arena nehmen. Du darfst zwar nicht die Kette selbst mit reinnehmen, aber den Anhänger schon. Und das Muster was dort rein graviert wurde ist ein Vogel namens Spotttölpel.“ Der Name des Vogels kam mir bekannt vor und ich erinnerte mich auch. Dieses Zeichen trug einmal Katniss in den 74. Hungerspielen und dann ihre Kinder dreißig Jahre danach. „Woher hast du sie?“ fragte ich meine beste Freundin, doch sie zwinkert mir zu und drehte sich um und ging Richtung des Platzes. Ich sah ihr verwundert hinterher. Ich konnte sehe, dass sie auch so eine Kette trug. Ein grinsen konnte ich mir nicht verkneifen und dann folgte ich ihr. Dabei tat ich den Anhänger mit dem Spotttölpel unter mein T-Shirt. Es musste ja niemand sehen.

Als wir am Platz ankamen, standen die meisten schon vor einer Bühne, die wohl gestern aufgebaut worden war. Aber nirgends waren Kameras zu sehen. Damals hatte man die Ernte doch aufgezeichnet und es wurde im Distrikt live übertrugen. Ich fragte mich warum keine da waren.

Manche Kinder sahen nicht beunruhigt aus, warum sollten sie auch? Ihre Eltern waren doch zu Hause und sie waren wohl gespannt wer die beiden Tribute sind. Man sah, dass die Kinder und Jugendlichen geordnet nach Alter standen, aber es nicht nach Geschlecht geordnet war. Als wir zu dem Platz gingen, wo nur die Sechzehnjährigen standen, wurden wir von den Kapitolsoldaten aufgehalten. Wir mussten erst einmal zu einer Frau in Weiß gehen, die ein Tropfen Blut von uns nahm, indem sie mit einer Nadel in unser Finger stach und es auf das Feld tropfen lies wo unser Namen stand. Danach konnten wir zu den anderen gehen.
Die Anderen sahen uns komisch an und Aria nahm meine Hand und drückte sie etwas doller. Ich sah sie an und wusste was sie mir sagen wollte. Wir mussten jetzt stark sein und keine Schwäche zeigen. Sie hatte wohl bemerkt, dass ich so langsam Angst bekam. Aber der Handdruck brachte mich zurück und ich atmete tief durch.

Nach paar Minuten kam dann ein Mann auf die Bühne. Er sah kräftig und stark aus. Er hatte blondes Haar und war ein bisschen größer als die anderen in seinem Alter. Ich schätzte sein Alter um die dreißig. Er ging zum Mikro und sah in die Menge. „Guten Tag. Mein Name ist Steeve Amberson“ sagte er mit kräftiger Stimme. „Wir haben uns hier zusammengefunden um die zwei Tribute bekanntzugeben, die in einer Woche in die Arena müssen. Ich weiß natürlich schon wer es war, doch wollt ihr es auch wissen?“ Alle schwiegen. Ich glaubte wenn sie wüssten, dass ich einer der Tribute bin, würden sie sich freuen. Ich sah wieder zu Aria die leicht zitterte und mir zunickte. „Na gut, “ fuhr er fort „Die beiden Tribute die Distrikt 4 vertreten sind Aria Mitschell.“ Als ihr Name fiel sahen alle zu uns, besser gesagt, sie sahen Aria an. Sie ließ meine Hand los und ging durch die Menge in den Gang in der Mitte. Alle sahen ihr nach. Manche waren geschockt, andere wiederrum wurden blass. Aber es gab auch welche die lächelten und denen würde ich gerne ins Gesicht schlagen. Aria hat derweil schon die Tribüne erreicht und ging dir kleine Treppe hinauf. Sie blieb dort stehen und sah zu mir. Da sie zu mir sah, guckten auch allen anderen mich an. Nun wusste jeder dass ich der männliche Tribut war

„Und Nika Carter.“

Ich schritt langsam aus der Menge. Ich war in keinster Weise geschockt, da ich ja wusste das ich einer der Tribute war. Ich hatte meine Ohren auf stumm gestellt, damit ich nicht das Höre was die Anderen sagten. Doch sie sagten nichts. Die ganze Menge schwieg und es wunderte mich. Als ich dann bei der Bühne ankam und die Treppe hochgegangen war, fiel mir Aria in die Arme. Ich drückte die an mich und wir beide sahen in die Menge. Geschockt waren wir beide nicht, aber wir wollten jetzt einfach hier weg. Ich spürte nichts und fand es als gut, da ich nicht anfangen würde zu weinen.

„Das sind die Beiden Tribute. Sie werden jetzt zum Zug gebracht um sie zum Kapitol zu bringen. Die Präsidentin wünscht nicht, dass es irgendwelche Verabschiedungen gibt. Fröhliche Hungerspiele und möge das Glück mit euch sein.“ Dann kam er zu uns und zog Aria weg von mir und stellte sich zwischen uns. Ich sah Aria an und sie man konnte sehen, dass sie mit den Tränen kämpften. Steeve gab uns einen leichten Ruck damit wir beide endlich losgingen, da wir wie angewurzelt stehen geblieben sind. Wir gingen hinter die Bühne runter und stiegen in ein Auto, was dort geparkt hatte. Es sollte uns zum Bahnhof bringen. Zum Zug der uns ins Kapitol brachte. Ich sah aus dem Fenster und der Platz mit den ganzen Minderjährigen wurde kleiner und als wir am Bahnhof ankamen, konnte man ihn nicht mehr sehen.

Kapitel 6 ~Der Weg ins Kapitol~Bearbeiten

Der Zug setzte sich in Bewegung. Auch am Bahnhof waren keine Kameras und ich nahm mir vor unseren Betreuer zu fragen warum keine da waren. Er hatte Aria und mich alleine gelassen und wir standen in einem leeren Durchgang. Links ging es zu unseren Zimmern und rechts zum Speisewagen. Wir sollten uns fertig machen, doch wir standen da und sahen aus einem Fenster. Die Abenddämmerung hatte Angefangen und die Landschaft war atemberaubend. Ich würde Distrikt 4 vermissen und mich schmerzte diese Gewissheit, dass ich wahrscheinlich nicht mehr zurückkommen konnte. Aria und ich hatten uns zwar vorgenommen zu gewinnen, aber wir wussten nicht einmal wer die anderen 22 Tribute waren. Und da keine Kameras am Platz war, würden auch in den anderen Distrikten keine gewesen sein. Wir würden erst im Kapitol sehen wer unsere Feinde waren, wenn es nicht noch mehr Änderungen gab.
Ich sah zu Aria. „Wie lange brauchen wir bis ins Kapitol?“ fragte ich sie. „Morgen früh sind wir da. Ich geh jetzt nochmal duschen und wir sehen uns dann beim Essen.“ Sie ging davon und ich stand noch ein paar Minuten dort, bevor ich dann auch in mein Zimmer ging.

Als ich in meinem Zimmer ankam, öffnete ich die Tür. Ich staunte als ich es sah. Ich wusste gar nicht, dass es solche Zimmer in Zügen gab. Als ich vor acht Jahren nach Distrikt 4 zog, gab es nicht solch ein Zimmer. Ich ging langsam hinein. Für das Kapitol war es zu schlicht gehalten, was ich aber gut fand. Ich würde austicken, wenn das Zimmer so aussah wie die Menschen im Kapitol.
Ich setzte mich aufs Bett. Die Matratze war mir persönlich aber ein bisschen zu hart, aber da musste ich durch. Ich saß noch eine Weile dort bis mir einfiel, dass es gleich was zu essen gab. Ich hatte zwar keinen riesen Hunger, aber was zwischen die Zähne zu bekommen wäre nicht schlecht. Deshalb stand ich auf und entledigte mich meiner Sachen, außer der Kette mit dem Anhänger, den ich von Aria bekommen hatte und ging ins Badezimmer, was etwas kleiner als der Schlafraum war. Ich ging unter die Dusche und sah viele Knöpfe. Wofür brauchte man so viele? Ich hatte zwar acht Jahre im Kapitol gelebt, doch das hatten wir nicht einmal im dort. Ich grinste und drückte auf den Knopf, der mir warmes Wasser geben sollte, was er dann auch tat. Nach dem Duschen zog ich mir eine einfache helle Jeans und ein grünes Shirt an und ging in den Speisewagen.

Steeve und Aria saßen dort schon und warteten auf mich. Als unser Betreuer mich sah, winkte er mich zum Tisch und ich gehorchte ihm. Ich setzte mich neben Aria und wir beide lächelten uns an, bevor wir dann zu Steeve sahen. Er aß gerade und schwieg. Wollte er uns nicht helfen? Ich brach das Schweigen indem ich ihn fragte, warum keine Kameras am Platz oder am Bahnhof waren. Er nahm ein Schluck seines Wassers und sah mich dabei an. „Ihr werdet die anderen Tribute erst sehen, wenn ihr in der Arena seid.“ Ich sah zu Aria, die genauso geschockt war. Wie sollten wir jetzt wissen, wie die anderen sind? Hatten wir überhaupt noch eine Chance? Mein Siegeswille sank und ich wusste gerade nicht was ich denken sollte. Steeve sah und grinsend an. „Das einzige was ihr erfahren werdet, ist die Wertung von den Spielmachern. Aber selbstverständlich ohne Bild.“ Ich sah wieder zu Aria, die schon blass geworden war. Was könnte ich tun um sie aufzuheitern?

„Ich geh in mein Zimmer.“ sagte sie und stand auf. Sie sah mich mit einem Blick an der hieß, dass ich mitkommen sollte. Ich erhob mich und sah dann ein Messer auf uns zu fliegen. Ich zog Aria runter und sprang zur Seite. Ich sah dem Messer nach, das gegen die Wand flog, zu Boden fiel und sah zu der Frau, die gerade in den Speisewagen gekommen war. Rote Haare, helle Haut, geschmeidiger Körper in einem schwarzen Anzug. Sie sah aus wie ein schwarzer Puma. Und sie lachte. Warum lachte sie? Mich überstieg die Wut und ich stand auf, nahm mir das Messer und rannte auf sie los. Das mich Aria geschockt ansah und Steeve lachte, bekam ich nicht mit. Ich wollte sie angreifen, da sie Aria und mich versucht hatte zu töten. Jedenfalls sah es so aus. Als ich gerade zustechen wollte, da kniete sich die Frau hin und riss mich mit einem geschickten Dreher mit ihrem Fuß zu Boden. Sie stellte sich dann wieder hin und drückte ein Fuß auf meinen Rücken. „Nichts überstürzen Kleiner.“ sagte sie mit einem spöttischen lachen und nahm das Messer, was ich losgelassen hatte, als sie mich zu Boden riss. Erst dann ließ sie mich wieder hoch und musterte mich. „Ganz schön klein bist du. Wie alt bist du?“ „Sechzehn.“ antwortete ich mürrisch und ging zu Aria. Sie sah mich geschockt an und ich konnte verstehen warum. „Es tut mir leid.“ flüsterte ich.

„Das ist eure Mentorin Hayley Kaze.“ stellte Steeve sie uns lachend vor und ich sah ihn ungläubig an. Sie hatte uns doch versucht umzubringen und sie sollte unsere Mentorin sein? Als ob Hayley meine Gedanken lesen konnte machte sie die Aussage: „Ich wollte euch nur testen. Rate mal warum ich erst geworfen habe, als du mich gesehen hast.“ Wieder stieg die Wut in mir hoch und ich würde sie am liebsten töten. Es hätte auch schief gehen können. Damit ich mich nicht weiter aufregte, nahm ich Aria am Arm und zog sie aus dem Abteil raus. Ich würdigte Hay und Steeve keinen Blick mehr.

Als wir aus dem Abteil waren, blieb Aria stehen und riss sich aus meinen Griff. „Nika…so kenne ich dich gar nicht.“ Ich wusste nichts, was ich darauf Antworten hätten sollte. Da ich schwieg, ging sie an mir vorbei in ihr Zimmer und ich sah zu Boden. Sie hatte Recht. Das war nicht ich. Mich hatte einfach die Wut übermahnt, da Hayley sie mit einem Messer beworfen hatte. Ich sah zur Richtung, in der sie gegangen war und seufzte. Mittlerweile war es dunkel und ich sollte schlafen gehen. Wir würden morgen früh im Kapitol ankommen. Und so ging ich mit einem mulmigen Gefühl in mein Zimmer, ohne Aria eine gute Nacht zu wünschen oder ihr zu sagen was im Speisewagen los war.

Ich zog alles aus außer meiner Unterwäsche und legte mich unter meine Decke. Die Decke war schön flauschig und ich kuschelte mich in sie. Mir war gerade alles egal. Ich wollte nicht über das nachdenken, was passieren wird oder was geschehen war. Ich würde morgen Aria alles erzählen. Und wenn ich an morgen dachte, wurde mir flau im Magen. Ich kehrte wieder ins Kapitol zurück, aber nicht um dort zu wohnen, sondern um mich auf die Hungerspiele vorzubereiten. Ich hatte Angst und schlief erst nach Stunden ein.

Wieder kamen die Stimmen im Traum und ich wachte wieder durchnässt vom Schwitzen auf, als Hayley gegen meine Tür mit voller Wucht schlug. „Aufstehen du Schlafmütze.“ schrie sie und gab erst Ruhe, als ich ihr antwortete. Ich setzte mich auf und rieb mir die Augen. Es war die schlimmste Nacht die ich bisher hatte.
Ich stand auf und ging zur Dusche und stellte mir kaltes Wasser ein. Das kalte Wasser machte mich wach und ich stellte es nach paar Minuten etwas wärmer, damit sich alles wieder entspannte. Nachdem ich dann geduscht und angezogen hatte, ging ich zum Speisewagen. Alle saßen dort und lachten. Sie lachten? Gestern hatte Hayley Aria noch mit einem Messer beworfen und jetzt lachten sie zusammen? Was war passiert in der kurzen Zeit? Sie nahmen mich zwar wahr und Aria lächelte mich auch an, aber sie hielten erst inne mit dem Lachen, als ich mich neben Aria an den Tisch setzte. Ich sah alle drei fragend an. Erst sagte niemand was, doch dann drehte sich Steeve zu mir und erklärte mir alles. „Sie wollte wissen wie gut ihr ausweichen konntet und es war auch kein echtes Messer gestern.“ Hayley gab mir grinsend das Messer. Ich mochte ihr grinsen nicht, da es ein spöttisches Grinsen war. Ich nahm das Messer und ging an der scharfen Seite der Klinge lang. Es war aus Gummi. Ich war gestern voller Wut und hatte es nicht bemerkt. Mir war es peinlich und ich versuchte was zu sagen, dass aber gelang mir nicht.

„Hayley meinte deine Reflexe sind gut, du müsstest nur kräftiger werden und ein bisschen mehr aufpassen.“ Ich sah Aria und legte das Messer auf den Tisch. „Aber trotzdem war ich leicht geschockt, da ich dich noch nie so gesehen habe Nika.“ erklärte sie mir und ich nickte. Ich wusste ja selber nicht, dass ich so austicken könnte. Hayley hörte uns zu und Steeve war aufgestanden, um aus dem Fenster zu gucken. Nachdem es kurz dunkel geworden war, winkte er uns zu sich. „Kommt her und sehr euch das an.“ Ich stand auf und ging zum Fenster, Aria folgte mir. Ich sah wie bei ihr der Mund aufging und ihre Augen größer wurden. Sie sah ja jetzt zum ersten Mal das Kapitol. Ich kannte es schon und deswegen war es für mich nicht so „spannend“.

„Dann mal los wir sind gleich da.“ Hayley stand auf und ging aus dem Abteil um wahrscheinlich noch was zu holen. Erst jetzt fiel mir auf, dass keine Diener mehr im Zug waren. Die ganze Fahrt über nicht. Ich sah fragend zu Steeve. „Warum sind keine Diener hier?“ Er lachte los und ich sah ihn dann ernst an, weil ich fand, dass es keine lustige Frage war. Als er sich wieder beruhigt hatte, antwortete er mir endlich. „Präsidentin Crown will nicht, dass ihr so viel Luxus habt.“ Danach ging auch er aus dem Abteil und ich war mir Aria alleine. Sie sah immer noch draußen, doch ihr Lächeln war einem ausdruckslosen Gesicht gewichen. Als ich auch wieder nach draußen sah wusste ich warum. Es standen hunderte Leute draußen und jubelten. Sie freuten sich also das es wieder Hungerspiele gab und in mir wuchs ein Hass auf die Leute. Ich verstand sie nicht.

„Komm.“ sagte ich, nahm Arias Hand und zog sie vom Fenster weg. Sie sah mich an und ich versuchte zu lächeln, was aber nicht ging, da mir nicht zu lächeln zumute war, genauso war es wahrscheinlich bei Aria. Wir gingen aus dem Abteil und trafen im kleinen Durchgangsflur Hayley und Steeve. Sie standen vor der Tür, die nach draußen führte und warteten schon auf uns. Der Zug blieb stehen und langsam öffnete sich die Tür und man hörte den Jubel von den Menschen im Kapitol. Es war scheußlich. Aber ich würde es mit Aria zusammen schaffen. Wir verschränkten unsere Finger und lächelten uns an. Gemeinsam schafften wir alles.

Kapitel 7 ~Erste Eindrücke~Bearbeiten

Ich konnte am Anfang nichts erkennen, da mich das Sonnenlicht blendete. Meine Augen mussten sich erst einmal wieder an das Tageslicht gewöhnen. Ich blinzelte und nach kurzer Zeit konnte ich wieder richtig sehen. Ich sah die Menschen, die hier im Kapitol lebten. Es war ein bunter Haufen und jede Farbe trug irgendwer. Ich fand es lächerlich. Wäre ich auch so geworden, wenn meine Eltern nicht nach Distrikt 4 gezogen wären? Ich wollte es mir nicht vorstellen.

Aria und ich gingen hinter Steeve her, Hayley folgte uns. Die Kapitolsoldaten hatten jede Menge damit zu tun, die jubelnde Menge im Griff zu halten. Sie drängten die große Masse zurück, damit wir in ein weißes Auto steigen konnten. Als wir einstiegen, beobachtete ich aus dem Fenster, wie die Kapitolsoldaten es aufgaben und sich der Gang wieder schloss. Ich schüttelte den Kopf und sah zu Hayley, die zwischen Aria und mir saß. „Warum freuen sich die Menschen hier im Kapitol eigentlich auf die Hungerspiele?“, fragte ich sie. „Es ist für sie zu langweilig ohne die Hungerspiele. Die ältere Generation hat die jüngere damit aufgezogen, dass die Hungerspiele was Tolles seien.“ Ich staunte. Da hatte ich wirklich Glück gehabt. Meine Eltern haben nie ein Wort darüber gesprochen und ich hörte zum ersten Mal in der Schule davon.

Den Rest der Fahrt schwiegen wir und sahen aus dem Fenster. Nicht einmal Steeve sprach mit uns oder dem Fahrer. Dann, etwas später, hielten wir vor einem Gebäude und stiegen aus. Das Auto fuhr sofort weg. Ich sah mich um. Wir waren auf einem großen Gelände und vor uns stand ein Gebäude was nicht viel größer war, als unser Haus in Distrikt 4. Daneben stand eine etwas kleinere Halle. Steeve sah Aria und mich an, während Hayley sich umschaute. „Hier werden wir wohnen, bis ihr in die Arena geht. Und dort,“, er zeigte auf die Halle, „werdet ihr von Hayley trainiert.“

Sie drehte sich zu uns und grinste. „Ich freue mich schon sehr darauf.“ In ihrer Stimme lag was Provozierendes und mir wurde klar, dass das Training kein Kinderspiel wurde. Sie würde Aria und mich an unsere Grenzen bringen. Ich erwiderte das Lächeln und sie drehte sich wieder weg. Aria sah mich grinsend an. Ich musste mir das Lachen verkneifen und biss mir auf Lippe.

„Bevor ich es vergesse euch zu sagen. Drinnen erwarten uns noch vier Personen.“ Ich sah Steeve fragend an und er verstand sofort. „Geh rein und du wirst es sehen.“, antwortete er und ging lachen zu Hayley um sie zu holen. Sie stand vor der Halle und sah sie sich von außen an. Warum sie es machte, wollte ich nicht wissen. „Lass uns reingehen.“, sagte ich zu Aria und lächelte. Sie nickte und wir gingen rein.

Drinnen sah es wie bei uns daheim aus. Hatten sie etwa für jeden Distrikt ein Haus gebaut? Aber warum machten sie das? Ich ging durch das Haus. Der Eingangsflur war schlicht gehalten. Der Boden war mit Laminat bedeckt und die Wände waren in einem schönen blau gestrichen. Aria und ich sahen uns das Wohnzimmer und ich setzte mich auf das weiße lange Ledersofa. Aria hingegen begutachtete den Raum. „Was glaubst du? Wer wartet auf uns?“ fragte sie mich, während sie sich in einem Regal Bücher anschaute. „Keine Ahnung. Ist hier wirklich wer? Ich habe nichts gehört als wir reinkamen.“ Ich hatte vergessen, dass jemand auf uns warten sollte, da mich die Einrichtung verwundert hatte.

„Und habt ihr die Vier schon gefunden?“ Ich drehte mich um und sah Steeve, der grinsend in der Tür stand. „Nein. Es ist hier auch so still.“, sagte ich mit einem Kopfschütteln. Steeve seufzte und sah sich im Wohnzimmer um. Danach verschwand er und ich hörte wie er die Treppe hochging. Ich musste lächeln und beobachtete Aria, die immer noch bei den Büchern verweilte. „Und kennst du die Bücher?“, fragte ich sie. Ich wusste, dass sie gerne und viel las. Sie schüttelte nur den Kopf und ich grinste. Was es wohl für Bücher sind? Mir war es egal, da ich nicht gerne Bücher in die Hand nahm.

Ich hörte ein Lachen, welches von oben kam und stand auf. Es war Steeve und ich fragte mich sofort, warum er lachte. Hatte er die Vier gefunden? Ich war neugierig darauf, wer sie waren und ging aus dem Wohnzimmer, vorbei an Hayley, die gerade reinkam. Ich stieg die Treppe hinauf und folgte dem Lachen, bis ich in einem Zimmer neben Steeve stand und auf vier merkwürdige Gestalten sah.

Grün, lila und blau. So sah die Haut der Drei aus, die in einem großen Bett lagen und schliefen. Für mich war es nichts Neues. Solche Leute gab es genügend im Kapitol, aber als Aria hoch kam, verschlug es ihr den Atem. Ich musste grinsen. Sie hatte sowas ja noch nie gesehen. „Das ist normal hier im Kapitol.“, erklärte ich ihr. Sie sah mich ungläubig an und nun musste ich auch lachen, wie Steeve, der immer noch nicht aufgehört hatte zu lachen.

Dann kam Hayley zu uns und schüttelte den Kopf. „Solche Schlafmützen.“, murmelte sie und ging in die Mitte des Zimmers. „Aufstehen!“, schrie sie und die drei im Bett fuhren erschrocken hoch. Sie sahen sich verwirrt um, da sie für einen kurzen Moment orientierungslos waren. Mein Blick fiel jedoch auf den Mann, der in dem Sessel eingenickt war. Er hatte wohl Hayley nicht gehört, da er noch seelenruhig schlief.

„Darf ich vorstellen. Der Grüne heißt Gallius, die Frau in Lila Revelia und zum Schluss Brida, die ganz in Blau ist. Sie können nicht reden.“, stellte uns Hayley die Drei vor. „Das ist euer Vorbereitungsteam für das Interview.“ Das Vorbereitungsteam stand auf. Gallius war groß und kräftig. Brida hingegen etwas zu dick für ihren kleinen Körper. Revelia war groß und schlank. Ich gestand mir ein, dass sie schon schön aussah. Die Drei lächelten Aria und mich an und winkten. Wir erwiderten das und ich sah zur Seite, wo eigentlich Steeve stand. Aber es war niemand mehr dort. Er schien wohl runtergegangen zu sein ohne, dass wir es bemerkten.

„Und das ist Rouven, euer Stylist.“, sagte sie mit einem Lächeln und weckte ihn. „Damals gab es doch immer zwei Stylisten und Vorbereitungsteam. Für jeden Tribut einen.“ Aria hatte Recht. Für jeden Tribut aus jedem Distrikt gab es ein Team. „Kostet zu viel für Crown.“ Rouven hatte die Augen geöffnet und sah uns an. Er sah normal aus, nicht wie Brida, Gallius oder Revelia, die immer noch da standen und uns beobachteten.

Ich sah zu Aria, die sich umdrehte und wegging. Wurde ihr alles zu viel? Ich wusste es nicht und sah zu Boden. „Was ist los?“, fragte mich Hayley und ich schaute auf. „Eine Woche noch.“, beantwortete ich ihre Frage mit ausdrucksloser Stimme und versuchte zu lächeln. Es klappte nicht. Rouven sah uns beide nur abwechselnd an, bevor er aufstand, zu unserem Vorbereitungsteam ging und ihnen was ins Ohr flüsterte. Ich wartete nicht auf eine Antwort von Hayley, drehte mich um und ging.

Ich öffnete die Tür von dem Zimmer, was mir zugeteilt wurde. Es war kleiner als mein Zimmer zu Hause, aber dennoch schön eingerichtet für mich. Es war nicht zu bunt oder zu aufdringlich. Es war einfach schlicht gehalten. Ich ging zum Fenster und schaute raus. Die Sonne stand schon weit im Westen. Es würde wahrscheinlich bald Essen geben. Ich ging unter die Dusche, bevor ich runter in die Küche ging.

Kapitel 8 ~"Ich werde kein Leben beenden!"Bearbeiten

„Morgen werde ich euch für die Arena trainieren.“, sagte Hayley. Aria und ich nickten gleichzeitig. „Darauf der Tag werden Steeve und Rouven euch für die Interviews bereit machen.“, erklärte sie weiter. Ich sah zu Rouven, der gerade mit seinem Team sprach. Gallius, Brida und Revelia nickten zwischendurch immer wieder.
„Das wird was werden!“, dachte ich mir und nahm ein Schluck Wasser. Ich Wollte lieber zurück ans Meer, zum ruhigsten Platz den ich kenne. Aber nein. Ich müsste bald in die Arena und um mein Leben kämpfen.

Ich blendete alles aus und sagte nichts. Ich hatte Glück, dass mich niemand ansprach. Nachdem ich aufgegessen hatte, ging ich nach draußen und sah in den sternenklaren Himmel. Ich stand mitten auf dem Hof und es war leise, dass man nur den wehenden Wind leicht hörte.

„Du möchtest das ihr Beide überlebt und zurück könnt, oder?“

Ich nickte. Na klar wollte ich es. Ich versuchte meine Tränen zu unterdrücken, die versuchten aus meinen Augen zu fließen und drehte mich um. Ich versuchte zu lächeln, aber ich konnte nicht und sah Hayley mit einem ausdruckslosen Gesicht an. Ich konnte meine Tränen nicht mehr zurücklassen und ließ sie gewähren. Hayley ging auf mich zu und umarmte mich. Ich konnte in diesem Moment nicht den Starken spielen und musste es auch nicht. Ich weinte mich in ihren Armen aus. Am Anfang hätte ich mir nicht denken können, dass sie mitfühlend sein könnte.

„Danke.“, schluchzte ich und löste mich von der Umarmung. Ich fuhr über meine Wangen, um die letzten Tränen wegzuwischen und sah Hayley an. Sie lächelte aufmunternd und ich versuchte es zu erwidern, was mir auch gelang.
„Und jetzt solltest du schlafen gehen. Morgen musst du früh aus dem Bett.“, sagte sie und verschwand wieder im Haus. Ich stand noch ein bisschen draußen, bevor ich dann ihr folgte und mich in meinem Zimmer schlafen legte.

Als ich am nächsten Morgen aufstand, war es noch leicht dunkel. Ich ging duschen und zog mir Klamotten an, die für das Training geeignet waren. Als ich aus meinem Zimmer kam, wartete Aria auf mich. „Guten Morgen.“ Ich lächelte sie an. Zum Glück hatte sie von gestern nichts mitbekommen und so spielte ich weiterhin für sie den Starken. Wir beide gingen runter und wollten was essen. „Es wird nichts gegessen heute Morgen. In der Arena werdet ihr auch nicht immer was zu essen bekommen.“, sagte sie ernst. Sie würde also kein Mitleid mit uns haben, aber mir war das schon klar und Aria wahrscheinlich auch.

Wir gingen zu dritt in die Halle, die direkt neben den Hausstand. Ich musste staunen. Kletterwände, Waffen und was man noch braucht, um zu lernen, wie man in der Arena überlebt. Ich konnte gerade so mit Messern umgehen, aber auch nur, weil Aria es mir gezeigt hatte. Im Nahkampf war es vorteilhaft, aber was sollte ich tun, wenn jemand aus mit einem Bogen auf mich schießen würde? Ich sah zu Aria, die sich genauso alles staunend ansah.

„Dann wollen wir mal anfangen.“, sagte Hayley.

Als erstes mussten wir zehn Runden durch die Halle laufen. Das ging noch relativ gut, doch als wir die Kletterwand erklimmen sollten, konnte ich kaum noch, als ich oben angekommen war. Als ich wieder unten auf festem Boden war, ließ ich mich auf die Matte fallen und sah an die Decke. Ich hab mich gewundert, wie ich es da hoch geschafft hatte. Ich blickte zu Aria, die gerade mit Hayley sprach. Sie schien noch nicht aus der Puste zu sein. Dieses Mädchen war ganz schön… ich fand kein Wort dafür. Als Hayley mich dann sah wie ich auf den Boden lag, kam sie zu mir und schaute mich an. „Willst du in der Arena auch so auf dem Boden liegen?“, fragte sie mit einem strengen Ton. Ich seufzte und versuchte aufzustehen. Es gelang mir gerade so und Hayley nickte. „Geht doch.“
Meine Beine waren wackelig und ich versuchte ein paar Schritte zu gehen. Nach einigen Metern ging es dann auch wieder einigermaßen.

Aria kam zu mir, als Hayley zu den Waffen ging. „Alles okay?“, fragte sie mich. Ich nickte. „Warum hast du mir nie was gesagt?“, fragte ich etwas barsch. Sie sah mich nur an und zuckte die Schultern. „Ich fand es nicht für nötig.“ Ich schüttelte den Kopf und darauf ging Aria auch wieder. Warum hatte sie mir es nicht gesagt? Ich war doch ihr bester Freund oder nicht?

„Mit welchen Waffen könnt ihr umgehen?“, fragte Hayley uns, als wir bei ihr ankamen. Da ich noch leicht außer Atem war, antwortete Aria für mich mit. „Nika kann mit Dolchen und Messern umgehen. Ich auch und dazu noch mit einem Dreizack.“ Jetzt staunte ich noch mehr. Das hatte sie mir auch noch nie erzählt. Warum verheimlichte sie alles vor mir? Das machte mich irgendwie wütend.

„Okay. Werde ich mal gucken, was ihr könnt.“ Hayley ging zu den Waffen und holte einen Dreizack und paar Messer raus. Den Dreizack gab sie Aria und die Messer mir. „Beschäftige du dich erst einmal alleine.“, befiel sie Aria und sie nickte. Sie würde sich also um mich kümmern. Ich schluckte. War ich wirklich so schlecht. „Greif mich an.“, befiel sie diesmal mir und ich sah auf die Messer die sie mir gegeben hatte und die ich an meinen Gürtel gemacht habe. „Na los!“, drängelte sie mich, doch ich machte nichts. „Ich kann das nicht.“ Ich ließ das Messer fallen, das ich in der Hand hielt und machte den Gürtel auf. Ich möchte niemanden töten. „Nika. DU musst es aber machen.“, sagte Hayley streng.

Ich sah zu Boden und meine Hände ballten sich zu Fäusten. „Ich will niemanden töten. Ich will es nicht.“, flüsterte ich erst, wurde jedoch immer lauter. Ich sah sie mit tränenerfüllten Augen an und schrie: „Ich will niemanden töten. Das bin nicht ich und will es auch nicht sein.“ Ich war wütend. Ich war auf alles wütend. Auf Hayley, auf Aria und auf das Kapitol. Mein Siegeswille war weg und ich drehte mich um und stampfte Richtung Ausgang.

„Wenn du jetzt rausgehst, brauchst du heute gar nicht erst wiederkommen.“, rief Hayley mir hinterher.

Ich blieb kurz stehen, blickte jedoch nicht nach hinten, da Tränen über meine Wangen flossen. „Okay.“, murmelte ich und verließ die Halle. Ich wollte keine Figur in den Spielen des Kapitols sein. Ich wollte meine Entscheidungen selbst fallen und nicht nach irgendjemanden gehen. Ich würde in der Arena auch überleben, ohne dass ich jemanden töten muss. Es war mittlerweile schon Mittag und Zeit für das Mittagessen. Mir ist jedoch jeder Appetit vergangen und ich ging auf mein Zimmer. Dort verbrachte ich auch den ganzen Nachtmittag.

Abends, als es schon dunkel war, klopfte es an meiner Tür. Ich saß den ganzen Nachtmittag auf dem Bett und sah aus dem Fenster. Ich hatte immer noch die Trainingsklamotten an. Es klopfte noch einmal, doch ich sah nicht zur Tür und sagte auch nichts.

„Ich bin es, Aria.“, sagte eine sanfte Stimme.

Ich antwortete nicht. Sie kam dann einfach herein und setzte sich neben mir aufs Bett. Ich schwieg weiterhin und sie sah mich wahrscheinlich nur an und dachte nach, was sie sagen könnte. Nach paar Minuten stand ich auf und sah sie an. „Ich kann es nicht.“, krächzte es aus meinem Mund. „Ich will es auch nicht, aber was sollen wir tun? Uns einfach verstecken?“, sagte sie und sah mich fragend an. Ich wusste nicht was ich darauf antworten sollte und ging ins Badezimmer. Ich schloss die Tür und lehnte mich an sie. Ich verweilte paar Minuten und hörte wie Aria das Zimmer verlies. Ich war ein bisschen froh, dass sie gegangen war und zog mich aus. Ich ging unter den heißen Wasserstrahl und löste alle Spannungen in meinem Körper.

Nach dem Duschen zog ich mir nur eine Boxershort an und ging unter ins Bett. Unter der Decke war es schön war und ich schloss die Augen. Ich konnte nicht einschlafen, da mir tausend Gedanken durch den Kopf flogen. Und so verging Stunde um Stunde und ich konnte immer noch nicht einschlafen. Ich dachte über viele Sachen nach und kam dann zum Entschluss, dass ich niemanden töten werde. Ich werde kein Leben beenden.

Kapitel 9 ~Vorbereitung~Bearbeiten

Langsam öffneten sich meine Augen. Ich hatte die ganze Nacht darüber nachgedacht, was ich gestern beim Training mit Hayley zu ihr gesagt hatte. Ich würde mich daran halten, das war klar. Ich war kein Mörder und würde auch zu keinem werden. Nicht für das Kapitol.
Ich fragte mich auch, was Aria über mich wohl denkt, nachdem ich gestern so abweisend zu ihr war. Sollte ich mich bei ihr entschuldigen? Ich hatte keine Ahnung. In meinem Kopf schwirrten tausend Gedanken und ich konnte sie nicht ordnen.

Ich stand auf und ging ans Fenster. Die Sonne schien und es bedeckten paar Wolken den Himmel. Heute würden Steeve und Rouven, Aria und mich für die Interviews bereit machen. Aber auch hier würden wir die anderen Tribute nicht zu Gesicht bekommen, da eine Nachfahrin von Caesar Flickerman kam. Ich fragte mich, wer das sein könnte. Steeve war für unsere Art, für unseren Auftritt zuständig und Rouven für unser Aussehen. Ich hatte darauf eigentlich keinen Bock, aber es musste ja sein.

Ich wendete mein Blick von draußen ab und drehte mich um. Mich hatte niemand geweckt. Waren die Anderen schon wach? Hatte man mich wegen gestern einfach in Ruhe gelassen? Auch dieses Mal hatte ich keine Ahnung und mir war es auch völlig egal. Sollten sie mich halt in Ruhe lassen. Ich hatte damit kein Problem, mir war es so ziemlich egal.

Ich zog mir langsam die Klamotten an. Ich nahm mir irgendwelche, die in meinem Griffraum lagen. Danach ging ich runter in die Küche, aber dort war niemand. Auch in den anderen Zimmern des Hauses war niemand. Wo waren sie? Ich zog mir die Schuhe an und ging nach draußen. Vielleicht waren sie ja dort. Auf dem großen Platz war niemand. Dann konnten sie ja eigentlich nur noch in der Halle sein. Ich schritt langsam dort hin und desto näher ich kam, hörte ich Geräusche aus der Halle. Sie waren also dort. Aber warum sagte mir niemand Bescheid? Ich würde sie später danach fragen und wollte dann auch eine konkrete Antwort.

Als ich in die Halle reinging, beachtete mich keiner. Hayley, Rouven und sein Team unterhielten sich und Steeve redete mit Aria. Ich seufzte und ging auf Hayley und Rouven zu. Revelia, Brida und Gallius winkten mir zu und nun drehten sich auch Rouven und Hayley zu mir. „Guten Morgen.“, sagte Hayley, doch ich gab keine Antwort, fragte nämlich sofort: „Warum hat mich niemand geweckt?“ Hayley schüttelte den Kopf. „Weil ich gesagt habe, sie sollen dich in Ruhe lassen, wegen gestern.“ „Ich bin aber kein kleines Kind mehr.“, gab ich bratzig zurück. Meine Mentorin sah mich leicht sauer an, aber lächelte dabei. Was sollte ich nun davon halten?

„Immer mit der Ruhe.“, sagte Rouven sanft. Er zog mich dann von Hayley weg in die andere Seite der Halle von Aria und Steeve. Es war ein abgetrennter Bereich mit sehr vielen Kosmetiksachen. Wofür brauchten sie das? Ich sah Rouven skeptisch an. „Keine Angst. Du ziehst einfach einen Smoking an. Einen schlichten Smoking. Wir brauchen die Tribute nicht mehr so anziehen, das man erkennt aus welchem Distrikt der Tribut kommt.“ Ich seufzte erleichtert und lächelte leicht. „Was macht ihr dann?“, fragte ich. „Wir machen nur deine Haare und deine Fingernägel. Bei Aria wird es dann mehr.“ Das alles hob meine Laune ein bisschen. Und so gaben sie mir den Smoking für nachher und ich sollte später wiederkommen, nachdem ich dann mit Steeve fertig war.

Steeve lächelte mich an, als ich zu ihm kam. „Wieder beruhigt?“, fragte er mit ruhiger Stimme und lächelte. Aus Steeve wurde ich auch nicht schlau. Mal war er so und dann wieder anders. Ich setzte mich zu ihm. Er sah mich einfach an, bestimmt eine halbe Stunde. „Du bleibst einfach du selbst.“ Was soll das denn wieder heißen? Musste Aria nicht sie selbst sein? Ich sah ihn fragend an. Er verstand sofort und sagte: „Ihr seid einfach perfekt, so wie ihr seid. Ich braucht nicht auf charmant oder was anderes tun. Du bist der Ruhige und Aria hingegen ist eher die Aktive.“
Die Aktive? Nur weil ich niemanden umbringen will und sie dafür bereit ist? Ich wusste nicht was ich darüber denken sollte. Ich nickte nur. Steeve sah zu Uhr. „Du musst dann zu Rouven. Cassy Flickerman wird bald hier sein.“

Ich stand auf und ging zu Rouven. Dort bekam ich kaum Luft, denn der Anblick von Aria hielt die Luft zurück und ich war unfähig zu atmen. Sie hatte ein wunderschönes, blaues Kleid an. Es war schlicht, dennoch einfach bezaubernd. Sie ging an mir vorbei, würdigte mir aber immer noch kein Blick. Was hatte sie? Ich sah ihr nach, doch dann umschwirrte mich das bunte Vorbereitungsteam von Rouven. Sie machten meine Haare und puderten mein Gesicht. Bestimmt für die Kameras. Ich verschwand danach hinter einem Vorhang und zog mir den Smoking an. Danach betrachtete ich mich im Spiegel. Mir stand sowas und ich sah wirklich gut aus. Ich ging dann wieder zu Rouven und er lächelte zufrieden. „Sieht gut aus.“, sagte er nickend und ich grinste.

Es klopfte an der Halle und wir drehten uns alle zu dem großen Eingang. Es stand ein Kamerateam mit einer jungen Frau dort und redete mit Hayley. Die Frau hatte blondes, langes Haar und ein freundliches Gesicht. Sie sah gut aus. Und ich wusste auch wer es war. Es war Cassy Flickerman, die Frau, die die Tribute interviewte.

Kapitel 10 ~Unbekannte Gefühle~Bearbeiten

Ich war ziemlich nervös und war froh, dass kein Publikum im Saal war, obwohl er wusste, dass alle zuguckten. Seine Familie konnte ihn wahrscheinlich auch sehen und das machte ihn am meisten nervös. Er stand immer noch bei Rouven am anderen Ende der Halle und beobachtete Cassy Flickerman. Sie sprach immer noch mit Hayley und sah dann zu Aria und dann zu mir. Sie lächelte mich an und ich erwiderte das Lächeln. Sie ging danach zu Aria und ich hörte nicht, was sie mit ihr sprach. Ich war neugierig und würde am liebsten zu den beiden gehen. Aber nein. Die Interviews mussten mit jedem Tribut alleine geführt werden. Die Kameras wurden aufgestellt vor den Beiden und das Interview fing an. Ich wollte nicht dabei sein, da es mich wahrscheinlich nur nervöser machen würde und ging deshalb raus. Trotzdem war ich neugierig, aber egal.

Draußen schien immer noch die Sonne und es wehte ein leichter Wind. Ich stand einfach vor der Halle und sah in den Himmel. Was würde mich Cassy fragen? Ich hoffte, dass sie nichts über meine Familie fragte. Ich seufzte und sah mir dann den Platz an. Es standen zwei große Wagen auf dem Platz. Damit war wohl das Kamerateam und Cassy gekommen. Ich ließ mein Blick eine Weile bei den Autos und ging dann ein bisschen rum. Ich wollte meinen Kopf frei bekommen, bevor ich mich zum Idioten von ganz Panem machte.

„Nika, komm rein! Du bist dran.“ Ich sah zur Halle. Es war Hayley, die mich rief. Das ging ja schnell mit Aria. Oder hatte ich nur die Zeit verloren. Ich zuckte mit den Schultern. Ich nickte meiner Mentorin zu und ging in ihre Richtung.

Als ich in die Halle kam, mit meinen Händen in den Hosentaschen, gingen alle Blicke auf mich. Sie hatten wohl auf mich gewartet. Na und! Ich war ja nicht ihr Sklave der sofort springen muss. „Ich bin da.“, sagte ich mit einem leichten provozierenden Ton. Cassy kam auf mich zu und lächelte übertrieben. „Du bist also Nika Carter. Schön dich kennenzulernen. Ich freue mich sehr, dich interviewen zu dürfen.“

Was hat Aria ihr erzählt, dass sie so angetan war? Bei Aria war sie nicht so, aber das war jetzt auch egal. Ich zwang mich zu einem Lächeln. „Sehr erfreut.“, sagte ich zu ihr mit einem freundlichen Ton in der Stimme. Wir gaben uns die Hände und sie zeigte danach auf das Sofa, wo vorhin noch Aria mit ihr drauf saß. „Setzen wir uns doch auf das Sofa und fangen das Interview an.“ Ich nickte nur und ging mit ihr auf das Sofa. Ich sah mich noch einmal um, aber Aria schien auch rausgegangen zu sein. Es waren nur Rouven und sein Team, Steeve und Hayley in der Halle und natürlich das Kamerateam und Cassy.

„Wir sind gleich wieder auf Sendung.“, kündigte ein Mann Cassy und mir an und wir machten uns bereit. Naja, Cassy machte sich bereit. Ich saß einfach dort und machte mir Sorgen. Sorgen um das was sie mich fragen würde. Ich wusste dass ganz Panem zuschaute, außer den ganzen anderen Tributen aus den Distrikten.

„Herzlich Willkommen. Neben mir sitzt nun Nika Carter, männlicher Tribut aus Distrikt 4.“, sagte Cassy in die Kamera, als es losging. Sie lächelte und sprach ein bisschen zu hoch, wie ich fand. Aber so sprach ja fast jede Frau im Kapitol. Sie sah dann zu mir und ich sah lächelnd in die Kamera und dann wieder zu der blonden Frau.

„Also Nika. Als du wusstest, dass du als Tribut ausgewählt wurdest, was ging dir da durch den Kopf.“, fragte sie mich und hörte nicht auf zu lächeln. Es musste ja so eine Frage kommen. Sollte ich die Wahrheit sagen? Es würde mir nicht schaden, da die anderen Tribute nicht zusahen. Ich atmete tief durch. „Es war ein Schock. Ich fragte mich, warum Präsidentin Crown die Hungerspiele wieder einführen musste und warum ich ausgerechnet ausgewählt wurde, obwohl es doch so viele Jungs in Distrikt 4 gab.“ Ich sprach langsam und überlegte was für eine Wortwahl ich nahm, damit nichts Falsches aus meinem Mund kam.

Cassy hörte mir aufmerksam zu und nickte zwischendurch. „Ja. Das kann ich verstehen.“, sagte sie mitfühlend, lächelte aber wieder schnell. Das machte mich wütend, aber ich versuchte es zurückzuhalten, damit ich keinen Fehler machte. „Und hast du vor die Spiele zu gewinnen?“, fragte sie mich, ohne auf meine Antwort noch weiter einzugehen. Ich schüttelte den Kopf. „Nein.“, sagte ich mit kräftiger und überzeugender Stimme. Ich hatte ja mit meinem Tod schon abgeschlossen. Ich wollte mich für Aria opfern. Flickerman sah mich geschockt an und mein ganzes Team auch. Das konnte ich sehen, als ich kurz durch die Halle schaute. „Ich werde mich für Aria opfern.“, fügte ich noch hinzu. Aria sollte überleben, nicht ich. Ich dachte zwar auch an meine Eltern und es schmerzte mit bei den Gedanken, dass sie dann auch getötet werden. Wenigstens würden wir im Jenseits wieder alle drei zusammen sein.

„Viel Glück dabei.“, sagte Cassy. Ich fragte mich, warum sie nicht auf die Fragen noch weiter einging. War es bei Aria auch so? Ich wusste es nicht und würde sie nachher fragen. „Dann kommen wir zur letzten Frage: Wie sieht es mit der Liebe aus?“

Auf diese Frage war ich nicht vorbereitet. Ich hatte über sowas nie nachgedacht und wusste jetzt auch nicht was ich sagen sollte. Ich merkte, wie ich leicht rot anlief und hoffte, dass das niemand bemerkte. Was sollte ich jetzt nur sagen? Ich fing langsam an zu antworten: „Mit der Liebe? Ich habe darüber noch nie richtig nachgedacht.“ Ich musste jetzt an Aria denken. Warum so urplötzlich? Ich schüttelte den Kopf. Cassy sah mich immer noch lächelnd an und wartete auf eine Antwort. Ich konnte ihr keine geben und stand deswegen auf und verließ die Halle. Mir war in diesem Moment egal, was ganz Panem über mich dachte, aber mein ganzer Geist war aufgewühlt. In mir war ein Kampf der Gefühle. Gefühle die plötzlich hoch kamen. Gefühle die ich nicht kannte.

Aria stand draußen vor dem Tor und sah mich fragend an, als ich an ihr schnell vorbei ging. Ich konnte sie nicht ansehen. Nicht in dem Zustand, in dem ich gerade war. Sie sagte zum Glück nicht und verschwand dann in der Halle. Ich hingegen ging ins Haus und hoch in mein Zimmer. Alleine. Ich wollte erst einmal alleine sein.

Kapitel 11 ~"Ich werde nichts machen!"~Bearbeiten

Ich wollte, dass diese Gefühle verschwanden, da sie mich ablenkten und ich nicht wusste, was ich mit ihnen machen sollte. Es war ein komisches Gefühl im Bauch, aber ich konnte es nicht genau zuordnen. Doch. Zuordnen konnte ich es, doch ich wollte es einfach nicht. Der Zeitpunkt war einfach schlecht. Und das alles nur wegen Cassy Flickerman und ihrer dummen Frage.

Ich stand am Fenster in meinem Zimmer und sah hinaus. Mittlerweile war es Abend und es wurde langsam dunkel. Seitdem ich auch der Halle gegangen war, hatten die anderen mich in Ruhe gelassen. Cassy war bestimmt auch schon weg. Ich fand das gut und sie sollte auch nicht wiederkommen.

Ich seufzte und schloss die Augen. Was sollte ich nun machen? Runter gehen und mich ausfragen lassen oder sollte ich hier oben bleiben? Ich entschied mich in meinem Zimmer zu bleiben und wendete mich vom Fenster ab und setzte mich auf mein Bett. Ich war müde, konnte aber nicht schlafen, da ich dafür noch zu wach war. Ich legte mich trotzdem hin und schloss die Augen. Es dauerte sehr lange, bis ich endlich eingeschlafen war. Ich hatte aber nicht mal einen ruhigen Schlaf, da er wieder von Alpträumen geprägt war.

Ich wachte mitten in der Nacht auf und schwitzte sehr stark. Ich hatte wieder von meinen Eltern geträumt, wie man sie umbringen würde oder folterte. Es war einfach schrecklich und die Bilder sollten aus meinem Kopf raus. Ich lag danach nur wach in meinem Bett und sah wie es langsam heller in meinem Zimmer wurde, was hier, dass die Sonne aufging.

Ich sah auf den Nachtschrank, der neben dem Bett stand. Dort lag die Kette mit dem Spotttölpel als Anhänger, den Aria mir geschenkt hatte, bevor wir zur Ernte gingen. Ich nahm sie in meine Hand und betrachtete sie. Jetzt musste ich wieder an Aria denken. In meinen Bauch machte sich wieder dieses Gefühl von gestern breit. Ich sollte mit Aria reden. Ich umschloss den Anhänger mit meinen Fingern und schloss die Augen. Ja, ich musste mit Aria reden und ich würde es heute Abend machen.

Es klopft an meiner Tür. Wer war das? Ich schwieg und hörte wie die Tür aufging. Meine Augen ließ ich geschlossen. „Guten Morgen Nika.“ Es war Rouven. Ich öffnete die Augen und setzte mich auf. „Morgen.“, sagte ich etwas leise und verschlafen. Rouven musterte mich einen Augenblick und sagte nichts. „Möchtest du was?“, fragte ich ihn daraufhin. „Du siehst nicht gut aus.“, antwortete er mir, ohne auf meine Frage eingegangen zu sein. Ich nickte nur. Das ich nicht gut aussah war selbstverständlich. Ich hatte seit Tagen kaum geschlafen und dann waren da noch die Sache mit Cassy und das Training mit Hayley.

„Du solltest bald runterkommen, da der Spielmacher jeden Augenblick kommt.“, erklärte Rouven mir und ich nickte nochmal. Die Tage vergingen wie im Flug. In zwei Tagen ging es schon in die Arena. Ich seufzte. Ich würde doch so oder so sterben. Ich hatte auch nicht vor heute was vor dem Spielmacher zu machen, da ich in der Arena niemanden umbringen will. Ich werde mich nicht vom Kapitol lenken lassen oder einschüchtern. Lieber sterbe ich, als das zu tun, was das Kapitol von uns verlang.

Rouven war mittlerweile wieder weggegangen und ich stand langsam auf. Ich war immer noch müde. Am liebsten würde ich im Bett liegen bleiben und nichts machen. Ich hatte mich gestern nicht mehr umgezogen und hatte mit meinen Smoking geschlafen. Ich zog ihn aus und suchte mir eine Jeans und ein blaues Shirt raus. Das Kapitol hatte wirklich alles und ich fand die Sachen auch schnell. Ich nahm dann noch die Kette mit dem Spotttölpel und hing sie mir über meinen Hals.

Es waren schon alle wach und saßen unten im Wohnzimmer auf dem Sofa. Sie sahen zu mir, als ich reinkam. Keiner sagte etwas zu mir und Aria schaute auch schnell wieder weg. Ich wusste nicht, warum sie so sauer auf mich war, aber vielleicht wird sie es mir ja heute Abend erzählen. Ich hoffte es.

Es klingelte. Ich fand, dass es keinen besseren Zeitpunkt gab, da jetzt so ein unwohles Schweigen entstand. Ich blieb stehen und sah zu, wie Hayley aufstand und aus dem Wohnzimmer ging. Eine Unruhe entstand in mir und ich sah zu Boden.

„Das ist Tewe. Tewe Schefer. Er wird euch bewerten und dann die Punkte vergeben. Eine 1 ist schlecht, aber eine 12 hingegen ist super. Aria du bist als erstes dran. Nika? Mit dir möchte ich sprechen.“ Ich sah Hayley an, dir mit einem Mann an der Tür des Wohnzimmers stand. Ich nickte nur und wartete, bis Aria mit Tewe rausging zur Halle. Steeve ging mit den beiden. Rouven verließ auch den Raum mit seinem bunten Team. Nun stand ich alleine mit der rothaarigen Frau im Wohnzimmer. Ich setzte mich hin und sah sie fragend an. Hayley kam nur ein paar Schritte ins Wohnzimmer hinein. „Was möchtest du dem Spielmacher zeigen?“, fragte sie mich mit einem ersten Ton in der Stimme.

„Ich werde nichts mache. Soll er mir doch die schlechtesten Punkte geben.“, gab ich ihr trotzig zurück. Sie schüttelte nur den Kopf. „Wenn du meinst.“ Sie drehte sich um und verließ den Raum. Was sollte ich ihr auch sagen? Das ich meine Meinung geändert habe und doch Menschen umbringe? Nein! In der Arena werde ich niemanden umbringen. Man kann Aria auch anders beschützen.

Es dauerte etwas. Ich wartete circa eine Stunde im Wohnzimmer und keiner kam und sprach mit mir. Seit der Ernte hatte ich mich völlig verändert. Das wusste ich selber. Ich war in mich gekehrt.

„Nika.“

Ich drehte mich um und sah in Arias Gesicht. Natürlich wusste ich sofort, was sie wollte. Ich stand auf und blieb neben ihr stehen. „Heute Abend. Draußen auf dem Platz.“, sagte ich mit sanfter Tonlage und ging dann raus, ohne auf eine Antwort zu warten.

In der Halle wurde ich schon erwarten von Tewe und Steeve. Ich wusste immer noch nicht, was ich machen sollte. Steeve kam auf mich zu und blieb vor mir stehen. „Was wirst du machen?“, fragte er mich, genau wie es Hayley eine Stunde zuvor gemacht hatte. Ich schüttelte den Kopf. „Nichts.“, sagte ich kurz und knapp. Steeve sah kurz zu Tewe und dann wieder zu mir. „Dann sag ihm das.“ Ich nickte und machte mich auf den kurzen Weg zum Spielmacher.

„Du musst Nika Carter sein.“, sagte er und reichte mir die Hand. „Ich bin Tewe Schefer.“ Ich nahm nicht seine Hand und sah zu Boden. Er verstand schnell und nahm dann seine Hand wieder zurück. „Und was wirst du mir zeigen?“, fragte er mich darauf. Ich seufzte. „Ich werde nichts machen.“, sagte ich und sah Tewe an. Er schaute mich nur verwundert an. „Bist du dir da sicher?“ „Ja bin ich.“ Er nickte und machte sich dann eine Notiz. „Du kannst dann gehen.“, sagte er zu mir und ich drehte mich um und ging an Steeve vorbei nach draußen.

Da es erst Mittag war, hatte ich noch den halben Tag bis ich mich mit Aria hier draußen traf. Es war ein schöner sonniger Tag und keiner Wolken waren am Himmel. Ich ging ein bisschen draußen rum und setzte mich auf den Boden, mein Rücken lehnte ich an die Hauswand.

Kapitel 12 ~Wo ist er?~Bearbeiten

Die Sonne scheint erbarmungslos auf mich. Ich saß immer noch an der gleichen Stelle wie vor ein paar Stunden und hatte mich kaum bewegt. Meine Gedanken hatten mich im Griff. Es dauerte auch noch ein bisschen, bis Aria kam, um mit mir zu reden. Es wussten alle, dass ich hier draußen saß, doch sie ließen mich in Ruhe. Mir sollte es Recht sein, da ich kein Bock hatte mich mit jemanden zu unterhalten. Außerdem würde ich so oder so in der Arena sterben. Zwei Tage zu leben hatte ich noch. Wie es wohl in der Arena sein wird? Das war so ziemlich das Einzige, was mich noch interessierte, sonst war mir eigentlich alles egal.

Ich sah zu Boden und seufzte. Wieder fragte ich mich, warum ich hier sei. Warum wurde gerade ich ausgewählt? Ich schloss meine Augen. Den ganzem Hier entfliehen. Der Strand, das Rauschen des Meeres. Wie ich es vermisste. Meine Eltern, sie vermisste ich am Meisten. Auf einmal spürte ich einen Händedruck auf meiner Schulter und ich öffnete die Augen. Warum kam er zu mir? Es war Tewe Schefer. „Komm mit.“, befahl er mir mit einem freundlichen Ton in der Stimme und zog mich auf die Beine. Ich half ihm gar nicht erst und er zog mich zu einem der großen Fernsehwagen. Was wollte er nur von mir?

Erst als alle Türen des Wagens geschlossen waren, wendete er sich mir wieder zu. „Tut mir Leid, aber ich werde nichts machen.“, erklärte ich ihm und Tewe schüttelte nur grinsend den Kopf. „Das habe ich verstanden. Ich muss mit dir über eine wichtige Sache reden und da das Gelände überwacht wird, habe ich dich hier reingezogen. Wir haben nicht viel Zeit.“, antwortete er mich und ich sah ihn verwirrt an. Aria und mir wurde gesagt, dass wir hier unter uns sind und nichts überwacht wird. Kameras oder ähnliches hatte ich auch nicht gesehen. Naja, Hayley, Steeve und Rouven mussten uns wahrscheinlich anlügen, da sie für das Kapitol arbeiteten.

Meinen Gedanken hatten mich wieder im Griff, was sie in letzter Zeit sehr oft hatten. „Nika? Ist alles okay?“ Ich war wieder da und nickte. Gut ging es mir aber gar nicht.

„Hör mir jetzt gut zu!“, fing Tewe nun streng an mit mir zu reden. „Ich bin ein guter Freund deiner Eltern. Es ist schrecklich, was die Präsidentin macht und ich kann das nicht tolerieren. Ich werde dir helfen, lebend aus der Arena zu kommen.“ Das musste ich erst einmal verdauen. Ich könnte Leben. Ich könnte wieder zum Strand, wieder ans Meer. Aber eine Sache hinderte mich daran.

„Was ist mit Aria?“

Tewe schüttelte den Kopf. „Das geht nicht. Es kann nur einer überleben und ich werde versuchen, nein, ich werde alles geben, um die zu retten und lebend aus der Arena zu bringen.“

Gerade als ich mich damit abgefunden hatte zu sterben, gab es Hoffnung zu überleben. Dennoch schüttelte ich den Kopf, da ich mich entschieden hatte. Aria sollte überleben und nicht ich. Ich wollte für Aria sterben. In Tewes Augen sah ich, dass er nicht verstand. Ich atmete noch einmal durch und erklärte ihm es. „Ich möchte Aria retten. Ich will sterben.“

Man sah den Schock in seinen Augen. Ich stand auf und ging zur Tür. „Tut mir Leid.“, entschuldigte ich mich. Als ich gerade die Tür öffnen wollte, hielt er mich fest und ich sah ihn fragend an. „Denkst du auch an deine Eltern?“, fragte er. Die Frage war ein Stich ins Herz, denn er hatte Recht. Ich hatte sie zu Tode verurteilt, da ich auch sterben wollte. „Lass mich.“, sagte ich etwas lauter, riss mich von Tewe los und stieg aus dem Wagen.
Ich versteckte mich. Jetzt wollte ich erst recht niemanden sehen. Warum tat Tewe das? Ich wusste es nicht. Von meinem Versteck aus, sah ich, dass Tewe nach circa einer Stunde dann endlich wegfuhr. Endlich. Es wurde langsam dunkel und Aria würde gleich kommen.

Ich schlich aus meinem Versteck und sah dann Aria, die gerade aus dem Haus kam. „Aria.“, flüsterte ich und sie sah zu mir. Sie sah mich emotionslos an und wartete darauf, dass ich anfing zu reden. Ich musste erst einmal

nachdenken, um nichts Falsches zu sagen.

„Es tut mir Leid.“

Mehr Worte brachte ich nicht raus. Ein Gefühl in mir ließ es nicht zu. „Nika.“, sprach sie leise und ich sah sie erwartungsvoll an. „Du hast dich verändert. Ich möchte den alten Nika wieder haben.“, erklärte sie mir. Dabei kam sie auf mich zu und umarmte mich. Meine Arme schlangen sich um sie und ich drückte sie fester an mir. Es war schön ihre Nähe zu spüren, ihren Herzschlag zu hören. „Es tut mir wirklich leid.“, flüsterte ich ihr ins Ohr und eine Träne kullerte meine Wange runter. „Schon okay.“, antwortete sie mir und ich spürte, wie auch ihr ein paar Tränen die Wange runter rollte.

Kapitel 13 ~Ein aufschlussreicher Tag~Bearbeiten

Ich lag in meinem Bett und starrte an die Decke. Meine Gedanken drehten sich um Aria und mein Herz fing an schneller zu pochen. Nach diesem Abend war mir endlich klar, was ich zu tun hatte und wie meine Gefühle zu meiner besten Freundin waren. Wegen diesen Gefühlen würde ich alles tun, um sie zu retten. Sie war die Letzte, die ich noch hatte und ich konnte mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Schon bei dem Gedanken, dass sie in der Arena sterben konnte, riss mein Herz in zwei Teile und mein Körper schmerzte. Tränen kamen schon hervor und ich schüttelte meinen Kopf, da ich diesen Gedanken endlich aus meinem Kopf verbannen wollte. Aria würde nicht sterben und ich würde dafür sorgen.

Langsam schloss ich meine Augen, da ich schlafen wollte. Morgen war der letzte Tag, bevor ich in die Arena musste. Im Fernsehen würden morgen die Ergebnisse der Spielmacher bekannt gegeben. Ich war gespannt auf die Punktzahl von Aria. Mit dem Gedanken, welche Punktzahl die anderen Tribute haben würden, schlief ich langsam ein.

Es regnete und ich sah zum Himmel. Es war eine wunderschöne Vollmondnacht, obwohl es regnete. Ich stand am Strand und die Wellen schlugen gegen meine Beine. Obwohl es kalt war, spürte ich nichts. Ich hatte nur eine kurze Hose an und mein Oberkörper war frei, doch kalt war mir nichts. Ich hörte auch nichts. Nicht die Wellen, nicht den Regen, nicht mein Atem oder mein Herz. „Ich bin für dich da.“, hörte ich hinter mir jemanden sagen und drehte mich um. Sie sah wunderschön aus in ihrem blauen Kleid. Ihre blauen Augen stachen wie immer hervor und sie fingen einen ein. „Danke.“ Aria tritt näher zu mir und nahm meine Hände. Sie lächelte sanft. „Kein Problem.“, sagte sie mit einer sanften Tonlage. Ich sah zur Seite. Wie konnte sie sowas sagen, obwohl ich so abwesend zu ihr war. „Doch…“, murmelte ich leise. Daraufhin drückte sie meine Hände und ich sah wieder zu ihr. Sie sah mich nun etwas ernst an, aber immer noch mit diesem wundervollen Lächeln, dass jedes Herz stärker schlagen lässt. „Rede keinen Unsinn. Ich bin für dich da.“ Ich wusste nicht, was ich darauf antworten sollte. Meine Aufgabe war es, für sie da zu sein, aber es scheint wohl anders herum zu sein. Ich sah nur kurz weg, doch als ich wieder hinsah, war sie verschwunden. Verwirrt sah ich mich um, doch es gab kein Anzeichen, dass sie jemals hier war. Nun spürte ich auch den Regen und mir wurde urplötzlich kalt. Mein Blick wanderte wieder zum Himmel.

Langsam öffnete ich meine Augen und ich musste mich an das Sonnenlicht der aufgehenden Sonne gewöhnen, dass durch mein Fenster schien. Ich setzte mich langsam auf und rieb mir die Augen. Der Tag war besonders und ich fühlte es jetzt schon. Mit einer eleganten Bewegung sprang ich aus dem Bett und ging geradewegs unter die Dusche. Dort dachte ich über meinen seltsamen Traum nach, der mir eine Nachricht überbracht hatte. Ich kam aber darauf, was es für eine sein sollte.

Nach der heißen und entspannenden dusche zog ich mir eine normale Jeans an und ein grünes Shirt. Ich fragte mich, ob die anderen schon wach waren und ging runter in die Küche. Wie immer saßen alle schon am Tisch, jedoch aßen sie noch nicht, sondern hatten auf mich gewartet. Ich lächelte und es war ein ehrliches Lächeln. „Danke.“ Ich setzte mich neben Aria, die mir sofort ein leichtes Lächeln schenkte, was mein Körper mit Wärme füllte. Das Frühstück war so sorgenfrei und wir hatten unseren Spaß, dass erste Mal richtig seit unserer Ankunft hier. „Und was habt ihr den Tag vor?“, fragte uns Hayley mit vollem Mund. Steeve schüttelte den Kopf und lachte. „Man spricht nicht mit vollem Mund.“ „Das kann dir doch egal sein.“, gab Hayley trotzig zurück und der ganze Tisch fing an zu lachen. Aria und ich sahen uns an und sie legte ihre Hand auf meine und lächelte sanft.

„Danke.“

Nun hörten alle auf zu lachen und redeten miteinander wieder normal. Aria sah mich fragend an, doch ich konnte ihr nicht den Grund sagen, warum ich mich bedankte. Mein Gefühl wollte es und so schüttelte ich den Kopf. Sie nahm es so hin und widmete sich wieder ihrem Brot, was sie fast aufgegessen hatte. Da ich schon aufgegessen hatte, stand ich auf und alle schauten zu mir. „Ich gehe ein bisschen raus.“, erklärte ich ihnen und ging ohne auf eine Antwort zu warten. Ich zog mir nicht erst die Schuhe an, sondern ging Barfuß raus.

Die Sonne schien wie noch nie zuvor und mir war kurz schwindlig, doch ich fasste mich wieder schnell. Bei diesem Wetter war ich eigentlich immer mit Aria am Strand und wir schwammen oder lagen einfach nur im Sand. Wir waren immer sorglos und hätten nie damit gerechnet, dass uns beiden sowas passieren würde. Das Schicksal schien es aber schlecht mit uns zu meinen. Darüber wollte ich an meinem letzten Tag der Freiheit nicht nachdenken, wenn man es Freiheit nennen konnte.

Ich schlenderte langsam über den großen Hof und sah zu Boden. Meine Gedanken waren leer und das war auch gut so. Dass mich wer beobachtete hatte ich nicht bemerkt. Erst als er sich räusperte sah ich zum Haus. Es war Rouven, der nun langsam näher kam. Ich fragte mich sofort, was er hier machte, freute mich aber auch, da ich Rouven am meisten von allen vertraute. „Was führt dich zu mir?“, fragte ich mit einem Grinsen und er erwiderte es. „Wollte nur nach dir sehen.“, antwortete er mir und fügte dann hinzu, „Morgen ist es also soweit.“ Warum sprach er dieses Thema an? Ich verstand ihn nicht und sah kurz zu Boden, bevor ich nickte. Der Stylist verstand sofort und wuschelte durch meine Haare. „Ich glaube an dich und Aria.“ Er drehte sich um und verschwand wieder im Haus.

Jetzt wurde mir eines klar. Aria und ich hatten neue Freunde gefunden, die an uns glaubten und dachten, dass wir gewannen. Das gab einem neuen Selbstvertrauen.

Den Rest des Tages verbrachte ich noch ein bisschen draußen, bevor ich dann rein ging und in meinem Zimmer verschwand. Ich ließ das Mitttagessen ausfallen und ging erst wieder runter, als die bekannt gegeben wurde, welche Tribute welche Punkte bekamen. Eine eins ist sehr schlecht und eine zwölf das Beste was man bekommen kann. Ich wusste zwar, was ich bekam, aber nicht was Aria oder die anderen Tribute bekamen.

Als ich unten ankam, war ich nicht der letzte, sondern Aria, die ein paar Minuten später kam. Nun saßen wir alle auf dem Sofa und dann ging es auch schon los. Tewe Schefer war zu sehen, der das Kapitol und die Distrikte freundlich begrüßte. Ohne lange eine Rede zu halten fing er dann auch die Punkte zu vergeben. Es gab bloß eine Regel: Es wurden keine Namen genannt und keine Bilder der Tribute gezeigt. Man nannte uns einfach Tribut Boy oder Tribut Girl. „Und nun geht es los mit Distrikt 1: Tribut Boy mit 9 und Tribut Girl mit 10 Punkten. Distrikt 2: Beide jeweils 10 Punkte.“

Meine Gedanken schweiften ab. Die ersten beiden Distrikte hatten sehr viele Punkte und das wahrscheinlich verdient. Ich hatte nichts gemacht und würde 12 Punkte bekommen und nur, weil Tewe meine Eltern kannte. Unverdient. Doch nun wollte ich auch wissen, was die anderen hatten.

„Distrikt 3: Beide jeweils 6 Punkte.“ Nun kamen Aria und ich dran. Ich war gespannt, was Aria bekam, da ich wusste, was ich bekommen würde. Ich hatte Angst davor. „Distrikt 4: Tribut Boy 2 Punkte und Tribut Girl 12 Punkte.“ Was ich da hörte, verschlug mir die Sprache. Ich hatte nur zwei Punkte und Aria die zwölf Punkte.

Es verschlug mir zwar die Sprache, doch ich dankte Tewe. Ich wusste, dass er irgendetwas vor hatte, aber ich wusste nicht was. Doch eines war sicher: Er würde helfen, dass Aria lebend aus der Arena kam.

Mir wurde auch noch was anderes klar. Ich dachte immer, dass ich für Aria der Starke sein müsste und sie die Schwache ist, doch es ist umgekehrt. Aria war die Starke und ich war der Schwache.

Kapitel 14 ~Auf ins Ungewisse~Bearbeiten

Der Fernsehe war aus, dennoch starrte ich auf ihn. Ich hatte nur zwei Punkte bekommen und Aria zwölf Punkte. Warum war ich eigentlich so geschockt? Eigentlich sollte ich mich für Aria freuen, aber ich hatte kein gutes Bauchgefühl. Etwas abwesend ging mein Blick zu den anderen und ich lächelte, damit sie nicht bemerkten, dass es mir gerade wieder etwas schlechter ging.

„Das war klar Nika.“, sprach Hayley zu mir und ich nickte. Sie wusste nicht, dass ich eigentlich die 12 haben konnte, doch es nicht wollte. Mein einziges Ziel war es, Aria lebend aus der Arena zu bringen, wenn ich es überhaupt schaffen würde.

Mir war klar, dass Aria selbstbewusster und stärker war. Ich war zwar flink, aber das würde in der Arena wohl kaum gut genug sein.

Plötzlich klingelte ein Telefon und Steeve stand auf. Ich sah zu Aria. „Wollen wir raus gehen?“, fragte ich sie und sie nickte. Wir beide standen auf und gingen raus. Es war mittlerweile schon Abend. Unser letzter Abend, da es morgen in die Arena gehen würde. Ich hatte Angst, doch zeigen konnte ich sie nicht, nicht vor Aria.

Draußen setzten wir uns auf die Treppe und ich sah in den Himmel. Ich merkte, wie Aria mich ansah, doch ich wollte nicht nachfragen, warum sie es tat. Da mir das Schweigen bei zunehmender Zeit unangenehm wurde, nahm ich meinen Blick vom Himmel und sah Aria an. „Unser letzter Abend also…“, sagte ich und versuchte zu grinsen, was mir nicht gelang.

Meine beste Freundin nickte. „Stimmt. Lass ihn uns genießen.“, versuchte sie mich aufzumuntern. Sie wusste schon immer wie es mir ging.

„Was willst du denn machen?“, fragte ich sie leise. Sie stand auf und hielt mir ihre Hand entgegen. „Ich will Zeit mit dir verbringen.“ Diese Worte zauberten mir ein Lächeln, ein ehrliches Lächeln über mein Gesicht und ich nahm ihre Hand. Aria zog mich hoch und wir beide gingen zusammen über den Hof, wie ich es die letzten Tage schon getan hatte. Wir redeten über unsere Gedanken, über unsere Eltern und über unsere Heimat.

Erst als es die Nacht anbrach, gingen wir rein. „Gute Nacht Nika.“, flüsterte Aria und umarmte mich, bevor sie den Weg in ihr Zimmer anschlug. Ich wollte nochmal in die Küche gehen, da ich was trinken wollte. Ich musste jedoch vor der Küche stoppen, da ich eine Stimme vernahm.

„Tewe wird noch ein Problem für uns, wenn wir nicht was unternehmen.“

Ich kannte diese Stimme und ich würde sie aus jeder Menge heraushören. Es war Steeve. Mit wem sprach er? Ich hörte nur seine Stimme. Er telefonierte wohl. Ich entschied mich weiter zu lauschen, da der Name von Tewe fiel und war gespannt, was noch kommen würde.

„Du willst erst abwarten? Worauf? Das er Carter und Mitchell hilft und die anderen Kinder umbringt? Ich bin dafür, dass wir ihn sofort zum Schweigen bringen.“

Das verschlug mir den Atem und ich musste mich an der Wand abstützen. Mit wem telefonierte Steeve und warum hatte er so ein Hass auf Tewe? Er wollte doch nur helfen.

„Okay. Du hast ja Recht. Ich liebe dich Mary. Ich meine Präsidentin Crown.“

Ich hielt meine Hand vor den Mund und musste erst einmal verdauen, was ich gerade gehört hatte. Steeve war wahrscheinlich nie auf unserer Seite. War er es, der Aria und mich rausgesucht hatte, um an den Hungerspielen teilzunehmen?

Ich musste jetzt verschwinden, da ich hörte, wie Steeve durch die Küche schritt. Mit schnellen, aber leisen Schritten verschwand ich nach oben in mein Zimmer und schloss leise die Tür, damit Steeve nichts hörte.

Sollte ich es Aria sagen? Ich war ratlos und beschloss deshalb, dass ich schlafen gehe. Ich zog alles aus, außer meiner Boxershorts und legte mich in mein Bett. Trotz dessen was ich gehört hatte, schlief ich schnell ein und hatte eine traumlose Nacht.

Am nächsten Morgen musste ich früh aufstehen, da es heute in die Arena ging. Ich hatte ein mulmiges Gefühl und Angst. Ja ich hatte Angst vor der Arena. Und ich hatte Angst davor, was mit Tewe geschehen würde. Am Anfang mochte ich Steeve, doch das ist nun vorbei. Mit schnellen Schritten ging ich ins Badezimmer zum Duschen und wartete darauf, dass wir mit dem Hovercraft abgeholten werden. Eigentlich sollte ich was essen, da ich in der Arena nicht sofort immer was bekommen würde. Zu diesem Zeitpunkt war es mir aber egal.

Nach einer halben Ewigkeit klopfte es an meiner Tür und ich vernahm Hayley’s Stimme. „Wir müssen los Nika.“

Ich ging nach draußen, wo schon die ganze Truppe auf mich wartete. Hayley und Steeve standen zusammen und unterhielten sich, genauso wie Aria und Rouven. Die drei Gehilfen von Rouven hatte ich lange nicht mehr gesehen und ich fragte mich, wo sie waren. Allerdings fragte ich mich auch, ob Rouven und Hayley mit Steeve unter einer Decke steckten. Wem konnte ich noch vertrauen?

Meine Richtung schlug zu Aria und Rouven. Die beiden lächelten mich an, als ich bei ihnen ankam und Aria nahm meine Hand.

„Dann wollen wir mal.“, sagte Steeve lachend und schlug mir auf den Rücken. Wow, war er schnell hier. Ich sah ihn nur kurz an, bevor ich mit Aria losrannte. Sie sah mich nur fragend, doch ich schüttelte nur lächelnd den Kopf.

Wir beide blieben stehen, als wir die Leiter erreicht hatten. Ich sah hoch zum Hovercraft, was schon die ganze Zeit dort in der Luft war, dennoch erst jetzt von mir richtig entdeckt wurde. Es war riesig, machte aber kein Geräusch. Die Technik war echt fortgeschritten.

„Nun wird es wohl Zeit, sich zu verabschieden.“

Ich drehte mich um und sah Hayley, die schon rote Augen hatte. Sie war wohl traurig uns gehen zu lassen. Rouven kam jetzt als einziger mit, da er unser Stylist war. Steeve und Hayley mussten hierbleiben und Sponsoren für Aria und mich finden.

„Ich werde dich vermissen Hay.“, sagte ich und versuchte meine Tränen zu unterdrücken. Ich mochte sie. Ich ging zu ihr und umarmte sie ein letztes Mal. Aria tat es mir nach. Sie umarmte auch Steeve, was ich vermied.

Als ich mich umsah, war Rouven nicht mehr zu sehen, da er schon von der Leiter hochgezogen wurde. Aria hielt sich vor mir fest und wurde hochgezogen. Während dies geschah, ging ich noch einmal zu Steeve und gab ihn die Hand.

„Man wird sich wiedersehen.“, sagte ich leicht provozierend.

Steeve war verwundert, verstand jedoch schnell. Ich lächelte ihn an, bevor ich mich an der Leiter festhielt und mich nicht mehr bewegen konnte. Es war so, als ob man eingefroren wäre. Es ist aber nicht so, ob ich wüsste, wie sich dies anfühlte. Paar Sekunden später war ich oben und als ich mich umsah, sah ich nur Aria und Rouven.

Früher wurden alle Tribute mit dem Hovercraft abgeholt, doch Mary Crown wollte wohl wirklich, dass wir uns erst in der Arena begegneten.

Aria hatte sich schon auf einen der vielen freien, metallischen Stühle an der Wand gesetzt und ich setzte mich zu ihr.

Gegenüber von uns saß Rouven. Die Stühle waren nicht gerade gemütlich und ich hoffte, wir würden schnell da sein.

Aria nahm meine Hand und erst jetzt merkte ich, dass ich zitterte. „Alles in Ordnung?“, fragte meine beste Freundin mich besorgt. Ich nickte. „Ja.“

Rouven sagte nichts und beobachtete nur. Der Rest des Fluges sagte niemand mehr was. Auch nicht, als und sie Ortungschips in den Arm gespritzt wurde. Wir schwiegen und dachten nach, besonders ich dachte nach. Über die Arena, über die Tribute, einfach über die ganze Situation.

Die Wände waren kühl und der Gang war schmal. Wir drei passten gerade mal nebeneinander dort durch. Wir gingen durch eine Tür, wo Distrikt 4 stand.

Der Raum war etwas größer und an der Wand hingen Sachen. Einmal für Aria und einmal für mich. Es waren die Klamotten für die Arena. Es dauerte keine Minuten und wir hatten die wetterfesten Klamotten an. Sie waren blau wie das Meer, was wahrscheinlich für Distrikt 4 stand.

„Leb wohl Rouven.“, sagten Aria und ich gleichzeitig und unser Stylist musste grinsen.

Dong.

Das war das Zeichen, dass wir uns auf die Metallplattformen stellen mussten. Es waren keine zwei im Raum, sondern nur eine große Platte. Wir beide stellten uns auf die Platte und hielten unsere Hände. „Danke.“, sagte ich noch zu Rouven und schon kam ein Glasrohr über uns und die Platte fuhr hoch. Wir beide sahen uns den ganzen Weg nach oben an. Es war kurzzeitig dunkel und als er wieder hell wurde, blendete mich das Licht und der Wind pustete in mein Gesicht.

Wir waren nun in der Arena.

Ich sah mich um. Sah zwölf weiter Platten mit Tributen darauf. Es waren viele vertreten. Große und kleine, dünne und dicke, schmale und muskelöse. Auch aus jeder Altersklasse war wer dabei und mir tat es leid, dass die Jüngeren sterben würden.

Auch die Arena sah ich mir an. Wir standen auf einer Wiese und vor uns war das Füllhorn. Am Horizont konnte man eine weiße Landschaft sehen und eine Sandlandschaft.

Auf einmal kam ein Piepen, was wohl den Countdown darstellen sollte. Umdrehen konnte ich mich nun nicht mehr und mir den Rest der Arena ansehen. Das musste warten. Aria und ich machten uns bereit zum Laufen, genauso wie es die anderen Tribute taten.

3, 2, 1 und die Hungerspiele begannen.

Kapitel 15 ~Schwarze Jäger~Bearbeiten

Ich dachte nicht mehr nach und rannte einfach los, rannte zum Füllhorn um mir irgendetwas zu schnappen. Am besten einen Rucksack. Ich sah mich um, ließ meinen Blick schweifen, um Aria zu sehen. Sie war nur knapp hinter mir und rannte so schnell sie konnte. Ich merke, dass sie leicht außer Atem geriet, daher rannte ich ein bisschen langsamer, aber nur eben so, dass ich trotzdem schnell genug war, um als einer der ersten beim Füllhorn zu sein.

Das Mädchen aus Distrikt 8 und ich sahen den großen Rucksack zu gleichen Zeit. Der Rucksack war riesig und wies auf einen guten Inhalt hin, sodass ich ihn einfach haben musste. Das Mädchen aber erreichte ihn eher als ich und als sie ihn sich über den Rücken warf, explodierte der Rucksack und zusammen mit ihm das junge Mädchen. Ich dachte nun gar nicht mehr daran, eine von den größeren Dingen zu holen, also gab ich mich zufrieden mit meiner nächsten Sichtung. Ein kleiner Rucksack, fliederfarben. Aus ihm lugte die Spitze eines Dolches. Perfekt, denke ich mir und lege zum Sprint an.

Als ich den Rucksack hatte, sah ich mich erneut an und erstarrte. Ungefähr zehn Tribute lagen schon am Boden und waren tot. Zehn Jugendliche, einfach tot und sie würden nie wieder zurückkommen.

Ich wusste auch, wem ich dies zu verdanken hatte. Tewe hatte sie umgebracht. Was ich mich bloß fragte, wie er es geschafft hatte. Er konnte nicht alle zehn Tribute getötet haben. Manche haben sich gegenseitig umgebracht, dass konnte man sehen.

„Aufpassen!“, rief Aria, rannte an mir vorbei und erstach mit einem Dreizack einen Tributen, der auf mich zu gerannt kam. Ich hätte niemanden umbringen können. Immer noch stand ich geschockt da, doch Aria nahm meine Hand und rannte los. Wir rannten zu dem weißen Abschnitt, den wir am Horizont sehen konnten.

Als wir lange genug gerannt sind, standen wir schon im Schnee. Durch die Kleidung, die wir bekamen, war uns kein Stück kalt, also würden wir nicht erfrieren.

Uns folgte niemand und dies fand ich auch gut. Ich brauchte eine Pause, da ich außer Atem gekommen war.

Ich ging alles nochmal im Kopf durch, was geschehen war. Elf Jugendliche waren Tod und würden nie wiederkommen. Aber dies hieß auch, dass nur noch dreizehn Jugendliche in der Arena waren. Wenn man Aria und mich nicht dazuzählte, mussten wir nur noch elf erledigen. Nein, nicht mal wir müssten es machen. Vielleicht gab es doch noch Hoffnung.

„Wir sollten weitergehen.“, schlug Aria vor und ich nickte. Zusammen gingen wir weiter in das Schneefeld hinein und wussten nicht, was uns erwartet.

„Ich war ganz schön geschockt, als du diesen Jungen getötet hast.“, sagte ich nach einer Zeit des Schweigens und sah zu ihr. Sie schwieg erst, schaute jedoch rüber zu mir.

„Ich wollte dich beschützen.“

Aria senkte ihren Kopf und ich tat es ihr gleich. Sie hatte einen Menschen umgebracht, nur um mich zu retten. „Danke.“, murmelte ich leise.

Sie nahm meine Hand und drückte sie leicht. „Du bist mein bester Freund.“

Ich sah hoch und sie sah mich lächelnd an. „Und du meine beste Freundin.“, gab ich ihr als Antwort und versuchte auch zu lächeln.

Sie sah auf meinen Rucksack und schaute mich fragend an. „Hast du schon nachgesehen, was in deinem Rucksack drinnen ist?“ Ich schüttelte den Kopf und blieb stehen. In wenigen Sekunden war der Rucksack geöffnet und ich packte die Sachen heraus. In dem Rucksack waren zwei volle Trinkflaschen, ein Laib Brot und ein Dolch, den ich am Füllhorn rausschauen sah.

„Da habe ich ja einen guten Rucksack erwischt.“, sagte ich grinsend und packte alles, außer den Dolch wieder ein. Jetzt waren wir beide bewaffnet. Aria mit einem Dreizack und ich mit einem Dolch.

Wir gingen weiter und sahen bald von weitem eine Höhle. Dort konnten wir eine Rast machen und vielleicht auch übernachten. Ich freute mich drauf, da meine Füße von dem langen Marsch wehtaten. Wir rannten so schnell wir konnten zur Höhle. Als wir dort ankamen, ließ ich mich sofort auf den Boden fallen. Es tat ein bisschen weh, doch dies war mir egal, da ich endlich sitzen konnte. Aria nahm neben mir Platz und wir tranken ein Schluck und aßen ein bisschen.

Nachdem wir fertig waren, packte ich alles wieder ein und Aria stand auf. Sie ging nach draußen und wollten gucken, ob sich vielleicht was verändern würde.

Ich lehnte mich währenddessen an die Wand und schloss die Augen. Aria weckte mich schon, wenn sie sich ausruhen wollte. Ich kam jedoch nicht zum Einschlafen, da Aria reingerannt kam und ihren Dreizack schnappte, den sie vorhin gegen die Wand gelehnt hatte. „Wir müssen abhauen Nika.“, sagte sie und zog mich am Arm hoch. Sie war wirklich ein starkes Mädchen, vom Charakterlichen und vom Körperlichen.

„Warum?“, fragte ich sie und nahm den Rucksack.

„Es sind sechs Jugendliche auf den Weg hierher. Ich konnte sie vom Weiten schon sehen.“, erklärte sie mir und nahm meine Hand. Zusammen rannten wir aus der Höhle in Richtung Süden. Ich sah mich währenddessen um und erblickte die Gruppe, die gerade vom Westen kam. Diese Gruppe waren die Karrieros.

Sie sahen uns und zwei Mädchen rannten los und wollten uns angreifen, doch ein etwas größerer und gut gebauter Junge hielt die Beiden auf. Ich wusste auch warum er dies tat. Sie hatten jetzt die Höhle und wir mussten uns einen neuen Unterschlupf suchen.

Eine Frage war dennoch da: Warum blieben sie nicht bei dem Füllhorn?

Aria und ich hatten uns schlau gemacht. Wir schauten die Hungerspiele an, die vor einem Jahrhundert waren und fast immer blieben sie am Füllhorn, da man dort die meisten Überlebenschancen hatte.

Jetzt war keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen und ich rannte mit Aria, weiter in Richtung Süden. Obwohl ich nicht mehr konnte und Aria auch nicht, liefen wir weiter.

Mittlerweile war es dunkel geworden und wir standen vor einem Wald. Man konnte sehen, dass nur ein Schritt von der Schneelandschaft der Boden voller Wurzeln und Blätter war, eben normaler Waldboden.

Vor kurzem hatte ein Schneesturm angefangen und ich war froh, dass wir endlich am Wald angelangt waren. Mit langsamen und vorsichtigen Schritten gingen wir weiter und sahen ab und zu nach hinten. Der Schneesturm wurde stärker. Es war schon fast ein Blizzard. Waren die Karrieros jetzt noch in der Höhle sicher? Ich hatte keine Ahnung. Mir war jetzt wichtiger, dass wir einen Schlafplatz fanden.

„Wir sollten einen…“, fing ich gerade an, als ein Knall mich zum Schweigen brachte.

Es wurde hell am Himmel und die Hymne von Panem wurde gespielt. Es war nicht die Hymne, die ich kannte, sondern die von damals. Kurz danach erschienen die Gesichter der Toten und darunter stand der Name und in welchen Distrikt sie wohnten. Wenn ich richtig gezählt hatte, müssten elf Gesichter erscheinen.

Distrikt 1, Distrikt 2, Distrikt 3, der Junge aus Distrikt 5, Distrikt 6, das Mädchen aus Distrikt 8 und Distrikt 10 waren Tod. An die ganzen Gesichter konnte ich mich nicht erinnern. Doch! An den Jungen aus Distrikt 5 und an das Mädchen aus Distrikt 1. Das Mädchen hatte sich den explodierenden Rucksack geschnappt und der Junge hatte mich angegriffen.

Zu meiner Überraschung war die Übertragung noch nicht zu Ende. Es wurden noch weitere Gesichter gezeigt. Distrikt 9, Distrikt 11 und Distrikt 12. Die Jugendlichen aus diesen Distrikten waren auch Tod. Es waren die, vor denen Aria und ich abhauten. Ich fragte mich, was dort in der Höhle passiert war.

Da nun achtzehn Tod waren, mussten noch sechs in der Arena sein. Aria und ich, das Mädchen aus Distrikt 5, die beiden aus Distrikt 7 und der Junge aus Distrikt 10.

Nachdem die Hymne noch einmal kam, riss Aria mich aus meinen Gedanken. „Wir sollten weitergehen.“ Ich nickte und wir gingen weiter. Nach paar Schritten hörte ich etwas rascheln. Ich blieb stehen und sah zu Aria. „Hast du das auch gehört?“, fragte ich sie und sie blieb auch stehen. „Was gehört?“

„Das Rascheln.“, erklärte ich.

Aria schüttelte den Kopf und wollte weitergehen, doch ich hielt sie fest.

Ich sah mich um und ein Schauder lief mir kalt den Rücken runter. Mich sah irgendetwas mit grünen Augen an. Ich bewegte mich nicht. „Aria. Links. Nicht bewegen.“, sagte ich leise. Sie sah nach links und erblickte die Augen.

Wir wussten nicht was es war und hatten Angst. Würden wir lebend aus dieser Situation kommen? Ich hatte keine Ahnung.

„Lass uns langsam zurückgehen.“

Gesagt und getan. Langsam bewegten wir uns zurück und wir hatten Glück, da sie sich nicht bewegten.

Knacks. Ich schaute zu Aria und sie sah zu Boden. Ich folgte ihrem Blick und sah, dass sie auf einen Ast getreten war.

Auf einmal ging alles schnell. Eine Gestalt sprang auf Aria zu und ich stellte mich vor ihr und hielt meinen Dolch hoch. Ich traf direkt ins Maul, jedoch biss mich die Kreatur. Ich zog schreiend meinen Arm aus dem Maul und stach in den Kopf bis es regungslos da lag.

Mein Arm schmerzte und ich wusste nicht was ich tun sollte. Ich nahm den Dolch in die andere Hand und blickte zu Aria, die mich geschockt ansah. Gerade als ich was sagen wollte, sprang sie mit ihrem Dreizack vor mir und stach in das Gesicht der angreifenden Kreatur. Es war sofort tot.

Ich sah mir die Kreaturen an. Sie waren schwarz wie die Nacht und hatten grüne Augen. Sie sahen aus wie Pumas. Schwarze Pumas.

„Wir sollten aus diesem Wald verschwinden.“, schlug ich mit einem schmerzverzerrten Gesicht vor. „Aber was ist mit deinem Arm?“, fragte Aria mich besorgt.

Mein Arm blutete und schmerzte, mir war aber wichtiger, dass wir hier heil rauskamen.

Mit schnellen Schritten liefen wir durch den Wald, sahen aber keinen Ausgang. Überall nur Bäume, Wurzeln und gruselige Geräusche. Aus dem schnellen Gang wurde nach etwas längerer Zeit rennen. Also rannten wir durch den Wald und als ich nicht aufpasste, stolperte ich über eine Wurzel und schrie auf, da ich auf meinen Arm gelandet war. Aria war vor mir und stoppte. Gerade als sie zu mir kommen wollte, sprang ein weiterer Puma zwischen uns und sah mir direkt in die Augen. Es stand nur vor mir und sah mir in die Augen.

„Aria lauf.“, sagte ich stotternd.

„Aber ich…“, wiedersprach sie, doch ich unterbrach sie.

„Lauf!“, schrie ich nun.

Ich sah, wie Aria mit Tränen in den Augen sich umdrehte und wegrannte. Mit meinen Leben abgeschlossen, legte ich meinen Kopf auf den Boden und schloss die Augen. Ich hatte es nicht geschafft bis zum Ende durchzuhalten und Aria zu beschützen.

Gerade als ich hörte, dass der Puma sich bewegen wollte, hörte ich andere Schritte. Ich öffnete langsam meine Augen und hob meinen Kopf.

Ein Junge, der in meinem Alter sein musste, stoß den Puma zur Seite und sah zu mir. „Hau ab oder hilf mir.“, sagte er zu mir.

Ich nickte kaum merklich und versuchte mit meiner linken Seite aufzustehen, da ich meinen rechten Arm nicht mehr spürte. Es gelang mir relativ schnell und ich sah zum Puma, der etwas verwirrt war, da ihn der Junge zur Seite gestoßen hatte. Damit hatte dieses Tier wohl nicht gerechnet.

„Nimm dies.“, sagte ich zu dem Jungen und warf ihn meinen Dolch zu.

Ich beobachtete, wie der Junge auf den Puma zulief und auf ihn einstach. Genauso wie ich es vor ca. einer halben Stunde getan hatte. Nachdem der Puma erledigt war, gab mir der Junge den Dolch wieder. Es wunderte mich, dass er nicht auch auf mich einstach und so einen Konkurrenten weniger hätte.

„Ich will keine Menschen töten.“, erklärte er mir, als ob hellsehen konnte.

„Lass uns aus diesem Wald verschwinden.“, sagte ich nur und ging in die Richtung, in die auch Aria lief. Der Junge hielt mich jedoch auf.

„Ich kam vom Füllhorn in diese Richtung. Ich hab mir gemerkt, wie man wieder dort hinkommt. Ich glaube dort ist es am sichersten. Erst recht, wenn es Nacht ist.“

Ich schüttelte den Kopf. „Und was ist mit meiner Freundin Aria?“, fragte ich ihn.

„Sie suchen wir morgen.“

Ich riss mich von ihm los und wollte weitergehen, doch mir wurde schwarz vor Augen und der Schmerz kam in meinen Arm zurück. Ich kam leicht ins Schwanken, doch der Junge stützte mich.

„Ich werde dich zum Füllhorn bringen und dann werde ich deine Freundin suche.“, schlug er mir vor und ich war damit einverstanden.

Meine Kräfte verließen mich langsam. Ich sollte mich ausruhen und ich hoffte, dass ich es am Füllhorn konnte.

„Mein Name ist Pan.“, stelle er sich vor, nachdem wir aus dem Wald rauskamen und der Vollmond die Wiese erleuchtete. Das Füllhorn glänzte und sah total schön aus.

„Nika.“, sagte ich leicht grinsend.

Als wir beim Füllhorn ankamen, schaute ich mich um. Die toten Jugendlichen waren verschwunden und es sah aus, als wäre hier nie was passiert. Ich fand es grausam. Man würde sie nach paar Wochen oder Monaten schon vergessen im Kapitol. Ich verstand Mary Crown nicht, genauso wenig wie Steeve.

Pan lehnte mich an das Füllhorn, was angenehm kalt war und verschwand kurz in der Menge, der liegen gebliebenen Sachen. Nach kurzer Zeit kam er mit Verbandszeug wieder und kümmerte sich um meinen Arm. Erst spritzte er mir Medizin in den Arm, damit es nicht mehr so wehtat, danach verband er ihn.

„Du solltest dich ausruhen. Ich werde losziehen und deine Freundin suche.“

„Okay. Ich werde warten.“

Er stand auf und verschwand langsam aus meiner Sichtweite. Jetzt wo ich alleine war, merkte ich, dass ich den Rucksack verloren hatte. Es musste im Wald passiert sein, als mich der Puma angriff. Dies war nun unwichtig. Ich sollte wach bleiben, damit mir nichts passierte, doch meine Augen fielen nach paar Minuten zu und ich schlief ein.

Kapitel 16 ~Letztes Versprechen~Bearbeiten

Das kühle Wasser umspielte meine Füße und der Wind wehte durch mein Haar. Ich war wieder an dem Strand, den ich über alles liebte. Ich saß im Sand, schaute zum Horizont und träumte vor mich hin. Der Stand der Sonne verriet mir, dass ich nach Hause musste, da es Abendbrot gab. Also stand ich auf, blickte noch einmal in den Himmel. Ich war glücklich, da alles perfekt lief. Langsam lief ich nach Hause und freute mich darüber, dass ich wieder mit meinen Eltern essen konnte. Ich wusste ja nicht, was mich dort erwartete.Die Tür stand schon offen, doch ich dachte mir nichts dabei, da meine Eltern vielleicht schon wussten, dass ich auf dem Weg war. Ich zog wie immer meine Schuhe aus, stellte sie ordentlich hin und ging in die Küche. Dort traf ich jedoch nicht meine Eltern vor, sondern Aria und Steeve. Was machten die beiden in meinem Haus?

„Ähm…Hallo?!“

Keiner reagierte und ich fragte mich warum. Was war passiert, dass sie mich ignorierten?

„Hallo?!“, sagte ich etwas lauter, doch es reagierte wieder keiner. Ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte und beobachtete das geschehen, da Steeve jetzt anfing zu reden.

„Es tut mir Leid. Keiner konnte sehen, dass so was kommt. Er wollte das du lebst.“, sagte Steeve mit bedauernden Stimme zu Aria, die traurig auf den Küchentisch sah. Ich musste erst einmal realisieren, was mein Mentor gesagt hatte. Ich war tot? Aber ich war doch hier und sah die beiden, wie sie sich unterhielten. Was geschah hier?

„Ich kann es nicht fassen…“, murmelte Aria und man konnte sehen, wie sie ihre Tränen unterdrückte. Ich ließ mein Blick wieder zu Steeve wandern, der gerade was zu Trinken machte. Ich musste erst richtig hinschauen, als ich sah, was er in das Getränk mischte. Er zerdrückte eine lilaschwarze Beere über eines der Gläser und versteckte sie in seiner Hosentasche. Was für eine Beere war es?

Steeve nahm beide Gläser und übergab eines Aria. Es war das Glas, wo er den Saft der Beere reingetan hatte und in diesem Augenblick fiel mir ein, was es für eine Beere war. Es waren Nachtrigel. Eine Beere, wenn man sie isst, dass für einen sofort den Tod bedeutete.

„Trink das nicht!“, schrie ich und lief auf Aria zu, erreichte sie jedoch nicht. Egal wie schnell ich war, ich kam ihr einfach nicht näher. „NEIN!“, schrie ich wieder, doch sie trank es. Steeve sah sie fies lächelnd an. „Leb wohl.“, sagte er, drehte sich um und verschwand. Aria sah ihn erst fragend an, bevor sie verstand. Ihr Blick wurde leer und ihr Körper verlor all ihre Stärke und fiel schlaff zu Boden. Mir stiegen die Tränen hoch und ich schrie mir den Leib aus der Seele. „Das darf nicht wahr sein. Nein. Sie muss Leben. Ich liebe…“

Ich riss die Augen auf und sah alles verschwommen. Ich zitterte am ganzen Leib und spürte sofort den Schmerz in meinen Arm. Wieder kam mir der gestrige Tag in den Kopf. Die Pumas, Aria die weglief, Pan der mich rettete.

Es war mittlerweile wieder hell geworden und so langsam konnte ich wieder klar sehen. Es war still und ich entdeckte niemanden. Pan war noch nicht mit Aria zurück und diese Erkenntnis machte mir höllisch Angst. Waren die beiden tot oder lebten sie noch?

Ich versuchte aufzustehen, doch es gelang mir nicht und ich blieb sitzen. Das Einzige was ich hatte, war der Dolch, den mir Pan wiedergegeben hatte.

Noch am ganzen Leib zitternd, fielen meine Augen zu und ich spürte wie meine Kraft verflog.

Doch auf einmal hörte ich ein Rascheln und sah aus dem Füllhorn. Es kam jemand auf mich zu gerannt, doch ich konnte nicht erkennen wer es war.

Ich nahm den Dolch in die Hand und versteckte ihn hinter mein Rücken. Vielleicht könnte ich ihn somit überraschen, wenn dieser Unbekannte mich angreifen wollte.

Doch ich konnte kurz aufatmen, da es Pan war. Auch wenn ich ihn noch nicht solange kannte, vertraute ich ihm. Aber wo war Aria? Sie war nicht hinter ihm. Ich ließ den Dolch weiterhin hinter meinem Rücken. Vielleicht hatte Pan sie umgebracht und wollte dies jetzt auch bei mir tun.

„Nika. Ich habe Aria gefunden. Sie ist an einem Strand und schläft dort.“, rief Pan zu mir herüber.

Konnte ich ihm glauben oder log er mich an? Ich glaubte ihn. Fürs erste.

„Kannst du mir helfen?“, fragte ich ihn, als er vor mir stand.

Er nickte und half mir auf die Beine. Ich zitterte immer noch und fühlte meinen rechten Arm nicht, wo der Puma mich angegriffen hatte.

Nach einiger Zeit konnte ich sicher auf meinen Beinen stehen und wir gingen los. Pan ging vor und ich folgte ihm. Es dauerte nicht lange und wir kamen zum Abschnitt, wo das Gras aufhörte und der Sand begann. Während wir zu Aria gingen, sprachen wir nicht miteinander. Ich konzentrierte mich nur aufs gehen.

Nach kurzer Zeit in der wir im Sand gegangen waren, entdeckte ich Aria, die wirklich schlief. „Aria.“, schrie ich und ging schneller. Ich ging so schnell, wie es mein Körper zugelassen hatte.

Sie wachte jedoch nicht auf und ich bekam Angst. Schlief sie wirklich so fest oder war sie Tod. Als ich bei ihr war, kontrollierte ich ihr Atem und sie lebte. Ein Stein fiel von meinem Herzen und ich rüttelte sie wach. Es dauerte dennoch, bis sie endlich die Augen öffnete.

Ich musterte sie um nach Verletzungen zu gucken, doch ich fand keine. Erst jetzt bemerkte ich, dass Aria ein paar Mal mit den Augen blinzelte, bevor sie sie öffnete und direkt in meine blickte. Doch anstatt einem Lächeln schubste sie mich weg und stach mit ihrem Dreizack nach vorne. Was passierte, passierte schnell und ich musste erst einmal realisieren, was geschehen war.

Als ich zu Aria blicke und ihrem Dreizack folgte, blieb mir der Atem weg. Aria hatte Pan direkt in die Brust gestochen und er kniete nur noch und sah Aria mit leerem Blick an. Er würde nicht mehr lange leben, dass wussten wir drei. Aria zog ihren Dreizack aus seiner Brust und er fiel nach vorne. Ich fing ihn auf, bevor er auf Aria landete und legte ihn auf den Rücken.

Pan hatte währenddessen meine Hand genommen und ich drückte sie leicht, um ihn zu zeigen, dass ich da war. Er hatte mir geholfen und ich würde jetzt bis zum Schluss bei ihm bleiben, dies war ich ihm schuldig. Es tat mir Leid, dass er sterben musste.

„N..Nika…“, sprach er leise und ich nickte, „Ich muss dir noch was sagen…“, fügte er hinzu.

Ich kam mit meinem Gesicht nahe an seines, da er immer leiser sprach. Er nahm noch einmal seine letzten Kräfte zusammen und fing an.

„Pass auf ich habe einen Bruder…er wurde ausgelost, doch ich bin für gegangen. Ich bitte dich…gewinne die Spiele und finde ihn…pass auf ihn auf…er hat sonst niemanden mehr…“

Pan hustete und spuckte Blut dabei. Tränen kamen in meine Augen und liefen meine Wange herunter. Ich nickte.

„Versprochen.“, flüsterte ich, doch nur so laut, dass er es hören konnte. Daraufhin lächelte er mich noch einmal an und sein Blick wurde leer. Ich merkte wie seine leblose Hand in meiner lag und mir war klar, dass er nie wiederkommen würde.

Wieder war ein Leben weg.

Ich legte meine Stirn auf seine Brust und weinte. Ich wollte diesen Schmerz aus meinem Körper haben. Er sollte weg, ich wollte weg.

Aria ließ mich in Ruhe und beobachtete mich. Sie hatte ihn umgebracht. Ich hob meinen Kopf und sah sie mir roten Augen an. „Warum hast du dies getan?“, fragte ich sie leicht stotternd.

Sie sah mich entsetzt an. War sie entsetzt, da sie einen Menschen getötet hatte? Ich wusste es nicht, wie ich vieles nicht wusste. „I..ich dachte, dass er dich töten wollte…“, erklärte sie mir mit bedrückter Stimme und sah weg.

Sie wollte mich nur beschützen und ich nahm es ihr nicht übel. Ich sah Pan noch einmal an, rutschte zu Aria und umarmte sie.

„Danke!“

Sie sah zu mir hoch und ich konnte sehen, dass eine Träne ihre Wange runterlief. Ich wischte sie mit meinen Daumen weg und schenkte ihr ein Lächeln. Aria schenkte mir ebenfalls ein Lächeln.

Ich sah in ihre blauen Augen und wusste, dass ich sie liebte, doch einer konnte nur aus diesem Alptraum entfliehen.

Was sollte ich tun?


Fortsetzung folgt.

Kritik und Meinungen gewünscht :3

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.